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Museum Brandhorst
Kunstareal München
Theresienstraße 35 a
80333 München
Postanschrift: Türkenstraße 19
Tel. 089 23805-2286
Di - So 10 - 18, Do 10 - 20
www.pinakothek-der-moderne.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
NEUER SAAL FÜR SIGMAR POLKE
In Erinnerung an den verstorbenen Künstler richtet das Museum Brandhorst einen Künstlerraum ein
München, 24. Juni 2010 l Mit dem Tod Sigmar Polkes (*1941) am 10. Juni 2010 verliert die Kunstwelt einen der international angesehensten deutschen Künstler der Gegenwart. In Erinnerung an den seit 1978 in Köln lebenden Mitbegründer des »Kapitalistischen Realismus« ist ab sofort bis zum 5. September 2010 im Museum Brandhorst ein Saal mit seinen Arbeiten eingerichtet.
Neben den seit Eröffnung beim Publikum beliebten Gemälden »Die drei Lügen der Malerei« (1994) und »Liberté, Egalité, Fraternité« (1988) sind nun fast alle Werke Polkes aus der Sammlung Brandhorst zu sehen. Dazu gehören kleinere Arbeiten wie »Goethes Werke« (1963), zwei »Farbproben« (1978 und 1982) sowie ein großformatiges, enigmatisches Gemälde ohne Titel von 1983. Die Bestände umfassen zudem das aufgrund seines monumentalen Formats im Untergeschoss gezeigte Werk »Marienerscheinung« (1994), das zuerst auf der Biennale in Venedig gezeigt wurde. Zu den insgesamt 22 Arbeiten des Künstlers in der Sammlung Brandhorst gehören auch zahlreiche empfindliche Papierarbeiten, die jedoch im Tageslichtraum im Erdgeschoss nicht gezeigt werden können.
»Wir ehren mit diesem Künstlerraum das Andenken an den großartigen Sigmar Polke«, sagte Armin Zweite, Direktor der Sammlung Brandhorst. »Darüber hinaus stellen wir dem Publikum nun das Spektrum des Künstlers in der Sammlung vor. Die Kreativität Polkes, seine Ironie und die Bandbreite seines künstlerischen Ausdrucks lassen sich hier anhand von Arbeiten aus vier Jahrzehnten nachvollziehen.«
Sigmar Polke
Das Schaffen Sigmar Polkes ist geprägt durch eine humorvoll-kritische Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Kultur und Geschichte. Vor dem Hintergrund deutsch-deutscher Entwicklungen begründete er in den 1960er Jahren zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Lueg den »Kapitalistischen Realismus«, der als Gegenpol zu seinem »sozialistischen« Pendant das Konsum- und Freizeitverhalten sowie andere westdeutsche Eigenheiten ironisch entlarvt. Klischees, Konventionen und Werte parodierte Polke feinsinnig wie in einem Zerrspiegel, den er dem Betrachter vorhält. Beeinflusst von der Pop Art und ihren von Massenmedien geprägten Motiven und Techniken entwickelte Polke einen eigenständigen Stilpluralismus, der nicht zuletzt durch das ständige Experimentieren mit unkonventionellen Materialien und Bildträgern entstand.
1972, 1977 und 1982 war Polke auf der »documenta« in Kassel vertreten. 1986 erhielt er als Vertreter Deutschlands den »Goldenen Löwen« der Biennale von Venedig. Weitere hochrangige Auszeichnungen folgten.
Eine feste Institution im Kunstareal
Ein Jahr Brandhorst: Alex Katz schenkt Brandhorst-Stiftung bedeutendes Werk Picasso-Ausstellung im Herbst
München, 18. Mai 2010 l Aus dem Kunstareal ist es nicht mehr weg zu denken: Das Museum Brandhorst, am 18. Mai 2009 mit einem Staatsakt eröffnet, zieht nach einem Jahr Bilanz: 345.000 Besucher strömten in das neue Münchner Highlight mit den charakteristischen farbenfrohen Keramikstäben und die Nachfrage reißt immer noch nicht ab.
Nach 2255 Führungen, an denen insgesamt rund 39 300 Menschen teilgenommen haben, bestätigt sich einmal mehr, dass das Haus zu einer festen Institution in München und darüber hinaus geworden ist. »Ich bin begeistert von der großen Resonanz, die das Haus seit seiner Eröffnung erfahren hat«, sagte Klaus Schrenk, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. »lm Museum Brandhorst gehen Architektur und Sammlung einmalig gut zusammen. Das Thema des nachhaltigen Bauens in der Museumslandschaft interessiert die Besucher und die Cy Twombly gewidmeten Räume mit dem »Lepanto«-Zyklus sowie dem »Rosensaal« stellen als Highlights des Hauses auch im internationalen Vergleich eine unschätzbare Besonderheit dar.«
Schenkung von Alex Katz
Für den Höhepunkt des ersten Geburtstages sorgte jedoch eine Schenkung des 83-jährigen amerikanischen Malers Alex Katz an die Udo und Anette Brandhorst Stiftung: »City Landscape, eines seiner bedeutendsten Gemälde, bereichert die Sammlung von Udo und Anette Brandhorst außerordentlich«, sagte Armin Zweite, Direktor der Sammlung Brandhorst und Geschäftsführer der Udo und Anette Brandhorst Stiftung. »Mit der Präsentation dieses großartigen Gemäldes können wir die Bedeutung des Malers Alex Katz noch deutlicher herauszustellen als das bisher der Fall war.«
Der Bestand an Werken des Künstlers in der Sammlung erhöht sich damit auf 16. Durch den Neuzugang wächst der Anteil landschaftlicher Motive auf sechs, darunter so wichtige Darstellungen wie »Dawn«, 1995; »3 P.M. November«, 1996; »Moonlight«, 1997 oder »West Palm Beach«, 1997. Die Besucher können ein weiteres beeindruckendes Großformat im Museum Brandhorst erleben, denn Alex Katz stimmungsvolles Gemälde misst über sechs mal drei Meter. Allein darin manifestiert sich der besondere Stellenwert der Darstellung im Oeuvre des Künstlers, dessen historischer Rang in Deutschland erst in den letzten 10 Jahren vor allem durch zwei große Ausstellungen deutlich gemacht wurde (Bundeskunsthalle Bonn 2002 und Museum Kurhaus Kleve 2009).
Zu City Landscape von Alex Katz
Das Dunkel der Nacht bzw. das Zwielicht der Dämmerung haben den Künstler seit Mitte der 80er Jahre immer wieder beschäftigt. Auch das jetzt hinzu gewonnene Bild gehört in diesen thematischen Zusammenhang. City Landscape überrascht nicht zuletzt durch seinen Titel. Von einer Stadt mit Häusern, Straßen, Plätzen und Verkehr ist nämlich nichts zu sehen. Stattdessen erkennt man in der ganz auf dunkles Blau und Schwarz reduzierten Darstellung unbelaubte Bäume vor einer breiten undefinierbaren dunklen Zone. Alle Vegetation erscheint auf zeichenhafte Elemente wie Linien und Flächen reduziert. Es wird der Eindruck von Unzugänglichkeit und latenter Verunsicherung heraufbeschworen, den mehrere leuchtende Punkte links und rechts eher betonen als abmildern. Um Gestirne handelt es sich dabei nicht, aber auch nicht um Parkleuchten oder urbane Lichter.
Insgesamt hat der Maler die nächtliche Szene zu einem ästhetischen Ereignis ohne Transzendenz und ohne Sentimentalität gemacht. Der Betrachter blickt eben nicht auf Mond und Sterne, die beinahe zwangsläufig so etwas wie eine romantisch anheimelnde Atmosphäre evozieren würden. Das Sujet - durch die lange Tradition der Nachtstücke bis hin zu Caspar David Friedrich, Edvard Munch, J.A. McNeill Whistler konditioniert und durch viele andere wie etwa Luc Tuymans oder Peter Doig bis in die Gegenwart fortgeführt - ist hier gleichsam in eine reine Erscheinung verwandelt, jedoch entromantisiert, sodass der Betrachter sich in die Szenerie nicht mehr einfühlen kann.
Der Maler Alex Katz
Alex Katz wurde 1927 in New York (Brooklyn) geboren. Seine Eltern, Isaac und Sima, wanderten zu Beginn der 20er Jahre aus Russland in die USA ein. Die Mutter war in Odessa als Schauspielerin ausgebildet worden, der Vater wurde zum erfolgreichen Geschäftsmann und interessierte sich sehr für Literatur. Katz besuchte von 1946 bis 1949 das Cooper Union College of Art, Architecture and Engineering und 1949 für ein halbes Jahr die Skowhegan School of Painting in Maine, das heißt traditionelle Ausbildungsstätten, in denen mittelmäßige Künstler im Gefolge der klassischen Moderne unterrichteten. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre fand er zu seinem unverwechselbaren Stil und stellte immer häufiger aus. Die Sammlung Brandhorst verfügt aus dieser Phase über zwei herausragende Werke, die zu den wichtigsten des Frühwerks rechnen: »Paul Taylor« (1959), für dessen Dance Company der Maler immer wieder Bühnenbilder entworfen hat, und »The Black Dress« (1960), auf dem seine Frau Ada mehrfach in unterschiedlichen Positionen dargestellt ist.
Ausblick: Picassos Bücher ab Herbst 2010
Auch die erste Ausstellung im Museum Brandhorst ist bereits in Vorbereitung: Die Sammlung beherbergt rund 112 der insgesamt 157 im Werkverzeichnis aufgeführten Künstlerbücher Picassos. Die Ausgaben aus den Jahren 1905 bis 1983 stellen - neben den Werken von Andy Warhol und Cy Twombly - den größten Werkkomplex der Sammlung dar und repräsentieren die frühen Interessen des Ehepaars Brandhorst, die sich in den 60er und 70er Jahren auf die klassische Moderne und ihre Folgen konzentrierten. Die Ausstellung wird am 24. November eröffnet (...)
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