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Kunstverein für die Rheinlande
und Westfalen, Düsseldorf

Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 - 32 70 23; Fax 0211 - 32 90 70
Di - Sa 12-19 Uhr, So 11-18 Uhr
mail@kunstverein-duesseldorf.de
www.kunstverein-duesseldorf.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition

 

28.11. 2009 - 28.02. 2010

Dance in My Experience

Manon de Boer, Henning Bohl, Tom Burr, Claire Fontaine, Brice Dellsperger, Josephine Meckseper, Michaela Meise, Aleksandra Mir, Hanna Schwarz

Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen bezog im Jahr 1967 gemeinsam mit der Kunsthalle ein neu erbautes Gebäude am Grabbeplatz im "brutalistischen", spätmodernen Stil. Joseph Beuys forderte sogleich den sofortigen Abriss dieses Hauses, das ihm nicht nur in seiner Architektur missfiel, sondern auch eine elitäre Kunstbetrachtung fördere. "Das Haus wirkt wie eine Pralinenschachtel. Es lädt nicht ein, die Kunst zu besichtigen, sondern hier wird die Kunst verbarrikadiert!"

Retrospektiv markiert das Jahr 1967/68 einen Umbruch, der weit über architektonische Debatten hinausgeht. Nicht nur das gängige Politikverständnis wurde radikal in Frage gestellt, auch die Kunst sollte eine neue, auf die Gesellschaft und ihre Veränderungsmöglichkeiten ausgreifende Rolle erhalten.

Die Ausstellung "Dance in My Experience" fragt, was aus den oftmals utopischen Ideen der damaligen Zeit geworden ist. Der Titel spielt auf den gleichnamigen Text an, den der brasilianische Künstler Hélio Oiticica 1965 verfasste und in dem er versucht, die Merkmale einer neuen zeitgemäßen Kunstform zu skizzieren. Die Zusammenarbeit mehrerer Künstler, die Abschaffung des Publikums zugunsten eines umfassend partizipatorischen Ansatzes, die Notwendigkeit der Abwendung vom Intellektuellen und die Suche nach direkten Ausdrucksformen hält Oiticica für wesentlich. Letztlich ließe sich sogar die Überwindung vorherrschender Ideen, sozialer Gruppierungen und auch Klassenunterschieden in der "lebendigen Erfahrung einer totalen kollektiven Schöpfung" realisieren. Ähnlichkeiten zwischen Oiticicas "Héliotropisme" und Joseph Beuys' Ideen zur künstlerischen Praxis sind evident.

Die Ausstellung im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen argumentiert jedoch nicht historisch, sondern stellt Werke der jüngeren Gegenwartskunst ins Zentrum, die aus heutiger Perspektive auf die revolutionären Ideen von damals blicken. Was ist von den Ideen und Idealen geblieben? Was ist Ausdruck der Zeit, was hat überzeitliche Qualitäten? Vor den Hintergrund des Gebäudes, das in seinen Ausstellungsräumen noch immer die Idee des White Cube affirmiert, tritt die Diskrepanz heutiger künstlerischer Produktion zu der impulsiven Attitüde der damaligen Zeit und ihrer Neuformulierung der bildenden Kunst deutlich zutage.

Das liegt auch daran, dass die Werke in der Ausstellung eine gewisse Distanz zur damaligen Zeit aufrecht erhalten. Vor allem die Transformation gesellschaftlich-utopischer Ansätze und alternativer Lebensstile in kommerziell verwertbare Konzepte wirkt wie ein Korrektiv gegenüber einfachen Adaptionen. Diese ambivalente Beziehung zwischen Anti-Establishment und dem heutigen Blick auf diese Zeit wird von "Dance in My Experience" thematisiert, gleichzeitig werden aber auch die Widersprüche sichtbar zwischen dem damaligen Wunsch, alternative Lebensweisen zu entwickeln, und einer aktuellen Gesellschaft, die scheinbar alle Formen der Überschreitung absorbiert und selbst Dissidenz zu vermarkten in der Lage scheint.

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit der Kuratorin Cristina Ricupero entwickelt.

 


 
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