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in focus
in focus Fotografie / B. Arnold
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aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
04.03. - 06.04.2001
Alvin BoothCorpus - Osmosis
Der in England geborene und in New York lebende Fotograf Alvin Booth macht Bilder von Körpern im Stil der "Pikton'alisten" der Jahrhundertwende. Sie unterstreichen die inzwischen erfolgte gesellschaftliche Akzeptanz der einst in den Untergrund verbannten Praktiken von Fetischismus, Fesselung und Sadomasochismus als Elemente zeitgenössischer westlicher Kultur.
Diejenigen, die Anfang dieses Jahrhunderts durch diese Aspekte von Sexualität fasziniert waren, waren durch die öffentliche Moral gezwungen, ihren Interessen im privaten Bereich nachzugehen. Sogar in einer modernen Kunstform wie der Fotografie waren sie nur in verschlüsselter Form zu finden, so etwa in Fred Holland Davs einst skandalumwitterter Serie "Die sieben letzten Worte Christi" (1898). Hundert Jahre danach aber sind Fetischismus, Fesselung und Sadomasochismus aus ihrem Versteck hervorgekommen und paradieren nun vor uns auf und ab. In Alvin Booths verblüffenden Bildern sind sie Inspiration für Fotos, durch die der Körper der Models gewissermaßen zur Leinwand wird, auf der seine Phantasien zum Leben erweckt werden.
Booths Bäder sind hervorragende Stiletüden, wie sie zu einem Ansatz passen, der der Modefotografie sehr viel verdankt - wir sollten jedoch daran denken, dass das ein Gebiet ist, das Veränderungen im öffentlichen Wertbewußtsein sowohl dokumentieren als auch vermarkten will. Wenn der Inhalt dieser Bilder auch einst Kontroversen hervorgerufen haben mag, hegt es doch schon geraume Zeit zurück, dass Leute wie Robert Mapplethorpe Dinge aus dem privaten Garten ihrer sexuellen Obsessionen an die weißen Wände öffentlicher Kunstgalerien brachten. Die Körper von Booths Modellen sind mit Goldfarbe bemalt und sie sind in Latex und Seilbündel nach seinem eigenen Entwurf gehüllt. Diese Gebilde dienen ausdrücklich dazu, Geschlechtsorgane und erogene Zonen seiner Models hervorzuheben, so wie ein Versace-Kleid es für wesentlich öffentlichere Räume tut als das Atelier eines Fotografen. Charlotte Cotton, Expertin für moderne Modefotografie am Londoner Victoria & Albert Museum, verweist in ihrem Vorwort zu "Corpus"auf die stilistischen Wurzeln von Booths Werk: "Booths, Leidenschaft für sinnliche Andeutungen wird in den Kompositionen deutlich, die seine Bilder zeigen. Sein Scharfsinn und sein maliziöser Blick erfüllen die Darstellung von Sexualität in diesen Bildern".
Alvin Booths wurde 1959 in der nordenglichen Hafenstadt Hull geboren und arbeitete viele Jahre als (begabter und exzentrischer) Friseur, ehe er in den achtziger Jahren zur Fotografie kam, ursprünglich mit der Absicht, im Modebereich zu arbeiten. Als er 1989 nach New York zog, erwarb er unschätzbar Erfahrungen als Mitarbeiter mehrerer großer Namen der Modefotografie. Während jener Zeit legte er "seine ,Mappe" an, ein bedeutsames Privatarchiv, und entwickelte dabei seinen eigenen Stil. Mit Goldtönung seiner Abzuge und Herstellung eigener Kupferrahmen unterstreicht Alvin Booth den besonderen Stil und die Einzigartigkeit seiner Kunstwerke. Die Ausstellung seines Werks in der Harnilton Gallery in London 1995 machte Sammler, unter ihnen einen Elton John, auf seine Bilder aufmerksam. Mittlerweile sind seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen gewesen. Er wird vertreten durch die Yancey Richardson Gallery (New York), der Stephen Daiter Gallery (Chicago), der Robert Klein Gallery (Boston), dem Jackson-Museurn (Atlanta) und der in focus Galerie am Dom (Köln).
Peter Hamilton
Zur Eröffnung am 02.03.2001 signiert Alvin Booth sein Buch "Corpus"