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Galerie Manfred RiekerFriedrich-Ebert-Brücke/beim Insel Hotel
74019 Heilbronn am Neckar
Tel. 07131 - 62 78 00, Fax 07131 - 62 78 80, mobil: 0172 - 73 5 94 64
Di - Fr 14 - 18.30 Uhr, Sa + So 11 - 13 Uhr und nach Vereinbarung
www.galerie-rieker.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
20.9. - 1.11.1998
Eröffnung mit dem Künstler am 20. September 1998 ab 11 Uhr
Georg Mühleck
hippoCAMPus
Memory, Bewußtsein, Identität.
Zellulare Automaten, Datagraphie-Objekte.
Im 16. Jahrhundert lebte ein Italiener namens Giulio Camillo, dessen Lebenswerk einem Modell galt, welches dem Menschen das Auswendiglernen, das Memorisieren erleichtern sollte. Dieses Modell hat er mit Hilfe visueller Symboliken als ein "Memory-Theater" konstruiert, welches leider nie fertig geworden ist. Eine Schlüsselposition in diesem Modell gehört Prometheus, der das heilige Feuer stahl, den Menschen das Wissen der Götter, aller Künste und Wissenschaften lehrte. Gedankenstrich.Der Hippocampus befindet sich am inneren Rand des Schläfenlappens und spielt bei der Verarbeitung von Gedanken eine wesentliche Rolle. Er bewahrt und verarbeitet neu erlernte Informationen lediglich einige Wochen oder Monate und leitet sie dann in entsprechende Areale der Großhirnrinde zur Langzeitspeicherung weiter. Auf diese Speicher, so wird heute behauptet, hat dann das "Arbeitsgedächtnis" der vorderen Gehirnrinde Zugriff. Obwohl stets neue Details erforscht werden, ist die Wissenschaft noch weit davon entfernt, das Memorisieren schlüssig erklären zu können.
Bewußtsein und Aktion involvieren ein subtiles Zusammenspiel zwischen Gedächtnis und Genetik. Die Identität jedes Menschen basiert auf seiner Vergangenheit. Genauer gesagt auf dem, an was er sich erinnert und vor allem darauf, wie er seine Erinnerungen interpretiert. Die Interpretation von Erlebtem verändert sich im Laufe des Lebens. Insofern ist alles Vergangene nichts Fixiertes, sondern ein sich stets verändernder Prozess des Bewußtseins unter Einbeziehung der Gegenwart.
Während Programmier-Freaks im Bereich "Neuronale Netzwerke" versuchen, Biosysteme des Gehirns für die "Künstliche Intelligenz" nutzbar zu machen, erfreuen sich Neurologen an den neuesten Möglichkeiten computergestützter Gedankenmodelle. Gedankenstrich. Das Problem der künstlichen Intelligenz ist zu einem philosophischen geworden; das zeigen die Argumente der Befürworter und Gegner, die letztlich darauf hinauslaufen, sich zu fragen, ob nicht der Mensch selbst ein Automat ist. Hat uns Prometheus etwas verschwiegen?
(Georg Mühleck, Portvasgo im August 1998)
Die Ausstellung in der Galerie Manfred Rieker zeigt eine Raumsituation mit der Datagraphie-Serie "hippoCAMPus", welche dieses Jahr während eines Arbeitsaufenthalts in Schottland entstanden ist. Außerdem ist eine Übersicht von Werken mit Simulationen Zellularer Automaten aus Projekten von "Kunst im Öffentlichen Raum" der letzten Jahre zu sehen.
Finissage:
So, 1.11. 1998 (Allerheiligen) ab 11 Uhr
Helmut Dinkel (Saxophon) nimmt den Dialog mit den Werken der Ausstellung auf.