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25.6. - 19.9.1999
Fritz von UhdeVom Realismus zum Impressionismus
Bayerische Staatsgemäldesammlungen 2
Mit großem Erfolg zeigten bereits die Kunsthalle Bremen und das Museum der bildenden Künste Leipzig die Ausstellung "Fritz von Uhde. Vom Realismus zum Impressionismus". Für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen war es im höchsten Maße wünschenswert, diese von den Bremer und Leipziger Kollegen so sorgfältig vorbereitete Ausstellung im Anschluß auch in München, der Wahlheimat Fritz von Uhdes, zu zeigen. Hier entstand der größte Teil seiner Werke. Uhde ist mit der Ausstellung als der Münchner lmpressionist schlechthin wiederzuentdecken!
Um den Münchner Hintergrund und die spezifisch Münchner Fragen an Uhde zu verdeutlichen, haben wir die Ausstellung in der Neuen Pinakothek um sein künstlerisches Umfeld erweitert, das von Leibl bis Stuck reicht. Uhdes Werk erscheint somit nicht isoliert, sondern wird in seiner Besonderheit auf der Folie gleichzeitiger syrnbolistischer und secessionistischer Strömungen der Münchner Kunst sichtbar. Ein weiterer Bildexkurs behandelt zudem das 1879 mit dem Skandal um Liebermanns "Zwölfjährigem Christus im Tempel" in München mit erschreckender Unduldsamkeit offenbar werdende Problem der zeitgenössischen religiösen Malerei. Uhde rückt damit anschaulich ins Zentrum jener nicht nur für das katholische München einst so sensiblen Frage, wie das religiöse Wunder im Zeichen des Realismus und der fotografischen Wirklichkeitserfassung noch glaubhaft dargestellt werden kann. Die Münchner Ausstellung zeigt schließlich einen dritten Aspekt, der den Untertitel "Vom Realismus zum Impressionismus" öffnet. Gemeint ist der aus den reichen Beständen der Bayerischen Staatsgemäldesamrnlungen wie aus Münchner Privatbesitz ermöglichte Blick in Uhdes früheste Anfänge, sein künstlerisches Herkornmen vom Historismus Makarts und Pilotys wie seine erstaunliche Nähe zum Symbolismus. Der Ausstellungskatalog ist für die Neuauflage erweitert worden und enthält zwei zusätzliche Beiträge von Andrea Pophanken und Andreas Strobl zu den genannten Exkursen.
Mit über 70 Gemälden und einer Auswahl an Zeichnungen und Pastellen gibt die Ausstellung nach der letzten großen Uhde-Ausstellung im Juli 191 I nun wieder Gelegenheit zu einem umfassenden Überblick über das gesamte Schaffen. Die Leihgaben kommen aus den großen Museen in Berlin, Hamburg, Bremen, Leipzig, Wien und Oslo, es sind aber auch zahlreiche, wenig bekannte Werke aus Privatbesitz in der Ausstellung zu sehen.
Uhde und seine Zeit
Fritz von Uhde ( 1848-1911), Zeitgenosse von Max Lieberrnann und Lovis Corinth, war einer der bekanntesten Münchner Maler des späten 19. Jahrhunderts. Impressionistische Kinderbilder und religiöse Freilichtmalerei kennzeichnen sein Werk. In Wolkenburg in Sachsen geboren und anfänglich zu einer militärischen Laufbahn entschlossen, war Fritz von Uhde nach dem Studium in Dresden und Paris 1876 nach München übergesiedelt. Uhdes künstlerische Entwicklung reicht vom großformatigen Schlachtenbild über die realistischen Beobachtungen des Alltags in Holland bis zu seinem impressionistischen Spätwerk und wird in der Ausstellung ebenso anschaulich wie sein künstlerisches Umfeld von der Münchner Alcademie bis zur Münchner Secession.Holland und Max Liebermann
Eine von Liebermann empfohlene Hollandreise inspirierte Uhde 1882 zu hellen Freilichtbildern und holländischen Interieurs, die unter dem direkten Einfluß Max Liebermanns stehen. Gleichzeitig studierte er das Werk von Frans Hals und die zeitgenössische niederländische Malerei. Zu den Hauptwerken dieser Zeit gehört "Der Leierkastenmann kommt" einst irn Besitz von Max Liebermann. Genaue Naturbeobachtung und eine aufgehellte Palette prägen Uhdes realistischen Stil, der Arbeiter und Bauern in ihrem ärmlichen Milieu zeigt.Religiöse Freilichtmalerei
Ab 1884 schuf Uhde verstärkt Gemälde in einer am französischen Impressionismus angelehnten Malweise und mit religiöser Thematik. Diese waren als frappierende Aktualisierung der christlichen Botschail zunächst sehr umstritten: Man störte sich an seinem volksnahen Christusbild und der Kaiser bezeichnete Uhdes Abendmahl als "Anarchistenfraß". Gleichzeitig steigerten sie aber Uhdes Popularität erheblich. Er malte deshalb konsequent solch christliche Bilder im realistischen Alltagsgewand der Gegenwart, die seine Malerei zum Tagesgespräch machten und rnit denener schon bald sehr hohe Verkaufspreise erzielte. Monumentalen Bilder wie Der Heilige Ahend, Der schwere Gang oder Lasset die Kindlein zu mir kommen sind in der Ausstellung erstmals vereint und werden neu zur Diskussion gestellt. Uhdes Lasset die Kindlein zu mir kommen wurde ein besonderer Publikumsliebling: Schon zwei Jahre nach seiner Entstehung waren mehr als 10.000 Fotos von diesem Gemälde verkauft. In der Ausstellung sind etliche dieser Reproduktionen ausgestellt, um diese eindrucksvolle und heute fast vergessene Uhde-Rezeption zu veranschaulichen.Impressionistische Kinderwelt
Bereits in Holland hatte Uhde sein zweites, bevorzugtes Thema entdeckt: Kinderbilder und vor allern Porträts seiner drei Töchter ziehen sich wie ein Leitmotiv durch sein Schaffen. Das Heranwachsen von Anna, Arnalie und Sophie hat der nach dem frühen Tod seiner Frau alleinerziehende Malervater in seinen schönsten Gemälden wie der Kinderstube festgehalten. Natürlich und mit einfühlsamen Blick schildert Uhde die Kinderwelt, die beispielsweise beim Heideprinzeßchen eng mit der Natur verbunden ist und für die Erwachsenen verschlossen bleibt. Die Bilder seiner Töchter behielt Uhde meist fiir sich.Vielfältig variiert, entwickelten sich diese Mädchen-Szenen zunehmend zu malerischen Momentaufnahmen impressionistischer. Lichtflirrender Gartenszenen. Das Münchner Bild An der Verandatür gehört zu den Hauptwerken aus dieser Periode. In seinen letzten Werken verquickt er nochmals die wesentlichen Themen seines Werks zu einem Wunschbild: die jungen Frauen werden zu hochgewachsenen Engelsgestalten, Boten und Begleitern auf seinem letzten Weg.Fritz von Uhde, der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende der Münchner Secession errang bereits höchsten Ruhm, als Max Liebermann noch von den Kritikern verrissen wurde. Später änderte sich diese Beurteilung, und heute ist der Berliner Maler weitaus bekannter. Diese erste große Retrospektive aus Anlaß des 150. Geburtstages soll Uhde für das heutige Publikum als einen der wichtigsten Münchner Maler um 1900 wiederentdecken.
Katalog: Verlag Gerd Hatje, ca. 240 Seiten, DM 49.-
Eröffnung am 24.6.1999, 18 Uhr
Es sprechen:
Peter-Klaus Schuster
Hans Zehetmair