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NGBK

Oranienstr. 25
10999 Berlin-Kreuzberg
Tel. 030 - 615 303; Fax 030 - 615 22 90
täglich 12 - 18.30 Uhr
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition

 

 

15.6. - 28.7. 1996


Haut die Siegessäule weg!!!


Wer macht es?

Natürlich Dipl.-Ing, Boris Netschajew, Ururenkel Sergej Netschajews, ein Kampfgenosse Bakunins. Und ganz im Sinne Bakunins: "Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust" wird der Diplomingenieur für eine sachgerechte Sprengung sorgen.


Warum die Siegessäule?

Sie ist Sinnbild des Militarismus. Die in die Säule eingemauerten Kanonen nutzte das christliche Preußen, um die Aufständischen der Pariser Commune zu massakrieren.

Und nach der Sprengung, was dann?

Dann wird entschieden, welcher Denkmal-Entwurf realisiert werden soll. 1988 wurde in einer Taverne die "Initiative Michael Bakunin Denkmal" ausbaldowert. - Was lange gärt, wird endlich gar. 1919 gab es das erste und einzige Bakunin-Denkmal in Moskau. 1997 wird es das zweite Bakunin-Denkmal in Berlin geben. Was lange gärt, wird endlich gar und nun können in der Ausstellung die Ergebnisse der HAUTE CUISINE bestaunt werden. Über 100 Künstlerinnen und Künstler aus Holland, Österreich, Italien, der Schweiz, Kroatien, Frankreich, Deutschland, USA, der tschechischen und slowakischen Republik, Rußland und Belgien schufen aus erlesensten Rezepturen abstrakte, verspielte, gegenständliche und ironische Denkmal-Entwürfe (Skulpturen, Bilder, Skizzen, Installationen, Musikstücke, Gedichte, Erfindungen), ein Karussell und ein Parfüm.
Wir treffen uns an (...) Bakunins Bar und plaudern über Kunst und Anarchismus und wie wir dieses Schweinesystem beseitigen können.

(Zur Ausstellung erscheint in Zusammenarbeit nut dem KARIN KRAMER VERLAG Berlin ein Buch-Katalog mit 272 Seiten, 218 Abbildungen, Fadenheftung, französische Broschur, 16 x 24 cm, DM 48,- in dem alle Entwürfe dokumentiert sind. Außerdem wird zu den Themen 2Kunst und Anarchie - Philosophie und Anarchismus heute" sowie über Bakunins revolutionäre Aktivitäten und Ideen berichtet.)


Die Arbeitsgruppe

 

 

 

4.5. - 23.6. 1996


Künstler forschen nach Auschwitz

Gunter Demnig - Reinhard Matz - Beate Passow - Pam Skelton - Art Spiegelman

Comic, Fotografie, Video, Installation, Aktion

 

 

Neue Gesellschaft für Bildende Kunst.- 4.5.-2.6.1996
Gunter Demnig - Beate Passow - Pam Skelton

Haus am Kleistpark: 4.5.-23.6.1996
Reinhard Matz - Art Spiegelman

 

Eine Ausstellung der Arbeitsgruppe "Exkurse" in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK) und des Kunstamt Schöneberg in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz, dem Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt am Main, und mit Unterstützung der Dezentralen Kulturarbeit Kreuzberg sowie des British Council.

NGBK, Oranienstr. 25,10999 Berlin, Mo-So: 12-18.30 Uhr
Haus am Kleistpark, Grunewaldstr. 6-7, 10823 Berlin, Di-So: 10-18 Uhr, Mi: 10 - 20 Uhr




Auschwitz steht für eine geschichtliche Zäsur, die auch die Kunst und die Theorien über Kunst geprägt hat. Viele Künstler haben versucht, die Gefühle, die die Todeslager, der organisierte Massenmord (für den Auschwitz nur eine Metapher sein kann) in ihnen hervorrufen, in der Sprache ihrer Kunst zu fassen - doch die Vermittlung des Unfaßbaren ist zumindest auf der Ebene der direkten Abbildung und Repräsentation unmöglich. Die Grenzen der Darstellbarkeit werden offensichtlich, sobald Künstler versuchen, die sprachliche Metapher Auschwitz in e i n e bildhaft/räumliche Metapher zu transformieren. Das wurde zuletzt mit dem Wettbewerb für ein zentrales Holocaust-Denkmal in Berlin deutlich.

Die an diesem Projekt beteiligten Künstlerinnen und Künstler behaupten nicht, mit ihren Arbeiten Auschwitz repräsentieren zu wollen, sondern befinden sich in einer Suchbewegung n a c h Auschwitz (im räumlichen und zeitlichen Sinn). Die realhistorischen Ereignisse und der Erinnerungsprozeß selbst werden von ihnen analysiert; das Forschen nach Auschwitz (und hier ist wiederum der Ort in seiner Symbolhaftigkeit zu sehen), die persönliche Recherche wird zum integralen Bestandteil der Arbeiten, die die Notwendigkeit einer aktiven Aneignung von Erinnerung verdeutlichen.

*Im Rahmen dieser Ausstellung findet vom 30.5. - 1.6.1996 eine Tagung statt, die sich mit der Mittler-Funktion zeitgenössischer Kunst bei der Beschäftigung mit dem NS-Massenmord befassen wird. Hier werden alle beteiligten Künstler ausführlich ihre Arbeiten vorstellen.

Podiumsdiskussion am Donnerstag, 30. Mai, 17 Uhr im Filmsaal des Martin-Gropius-Bau.
Tagung (Anmeldung erforderlich) am Freitag und Samstag, 31. Mai und 1. Juni, jeweils ab 10 Uhr im der Wannseekonferenz.

Information und Anmeldung telefonisch unter 030 / 805 00 126, per Fax 030 / 805 00 127.

In der NGBK werden Arbeiten von Gunter Dernnig (Köln/Berlin), Beate Passow (München) und Pam Skelton (London) gezeigt.

Gunter Demnig hat in mehreren Aktionen im öffentlichen Raum versucht, die - so leicht verdrängten - historischen Ereignisse wieder sichtbar und bewußt zu machen, indem er deren Spuren nachzog, ihre Orte markierte. Auch in Berlin wird er in der Umgebung der Oranienstraße STOLPERSTEINE legen, die auf Leute aufmerksam machen, die einst hier wohnten, bevor sie von den Nazis deportiert und umgebracht wurden. Der Terror traf keine Fremden, war nicht weit weg, sondern geschah in unmittelbarer Nachbarschaft. - In den Räumen der NGBK ist Demnigs Installation LEMNISKATE zu sehen. Hier wird der Einsatz der deutschen Wirtschaft für die Massenvernichtung thematisiert, gleichzeitig der heutige naive Umgang damit: Die von den Berliner Borsigwerken entwickelte, besonders zugkräftige Lokomotive sollte doppelt soviele Menschen nach Auschwitz transportieren können - heute fährt sie als Modelleisenbahn der Firma Märklin ihre Runden.

Beate Passow setzt sich seit 1988 in verschiedenen künstlerischen Medien mit dem deutschen Faschismus auseinander. Dabei arbeitet sie häufig mit der Diskrepanz zwischen der formal-ästhetischen Präsentation und der eigentlichen Thematik, wenn sie z. B. KZ-Häftlingskleidung in einer Straßenvitrine wie eine Modeauslage drapiert. In der NGBK ist die Ton-Bild-Installation "Mengenleere" zu sehen, Fotografien der mit Nummern tätowierten Unterarme jüdischer Häftlinge aus Auschwitz. Anonymisiert und individualisiert zugleich machen die Bilder in ihrer Zusammenstellung die Ausmaße des Terrors und die persönliche lebenslange "Zeichnung" der Überlebenden bewußt.

Parn Skelton begleitet in ihrer Videoinstallation "Dangerous Places. Pona"' einen jüdischen Oberlebenden nach Litauen an den Ort seiner Gefangenschaft bei den Deutschen: Ponary, nahe Wilna. Während der alte Mann von der Zwangsarbeit und seiner Flucht erzählt, sieht der Ausstellungsbesucher die unberührte Natur eines Waldes, hört Vogelgesang und Blätterrauschen - eine 'heile Welt' an dem Ort, an dem Nazis Tausende ermordeten. Diese Kluft zwischen gelebter Erinnerung und erforschter Wirklichkeit lotet Skeftons Installation audiovisuell und architektonisch aus. - Die Produktion der Installation wurde durch den Arts Council of England, die Ferens Art Gattery, den Holocaust Educational Trust sowie die Firma Moviola unterstützt.

Im Haus am Kleistpark sind Fotografien von Reinhard Matz (Köln/Berlin) und das Comic "Maus" von Art Spiegelman (New York) zu sehen.

Reinhard Matz geht auf Spurensuche an die Orte, an denen der NS-Massenmord geschah, thematisiert aber in seiner Foto-Serie nicht nur die Erinnerung an die damaligen Ereignisse sondern auch den heutigen Umgang damit. Ergebnis ist ein Bildessay mit dem provozierenden Titel: "Die unsichtbaren Lager - das Verschwinden der Vergangenheit im Gedenken". Eindringlich wird gezeigt, wie sehr das Bemühen, Gedenken und Erinnern zu organisieren, hilflos bleiben muß an diesen Orten. Und doch sind diese Orte unverzichtbare Zeugen einer Realität, die sich nicht mehr abbilden läßt, ohne zugleich von den Spuren der Gegenwart und auch unserer heutigen Sicht auf die Dinge überlagert zu sein.

Art Spiegelman ist der deutschen Öffentlichkeit bekannt geworden durch seine Comic-Bände "Maus I + II". In klaren, intensiven Bildern erzählt er die Geschichte seiner Eltern, zweier Überlebender des KZ Auschwitz-Birkenau. In Rückblenden und Überlagerungen wird darüber hinaus zum einen die Rolle des Zeichners als Sohn thematisiert, der dem Vater die Erinnerungen mühevoll abringt, und zum anderen die Rolle des Künstlers, der an die Grenzen des Darstellbaren gerät. Die Präsentation von "Maus" im Haus am Kleistpark bietet auch die Gelegenheit, die Vielschichtigkeit und Ausdrucksfähigkeit des Comic als künstlerisches Medium zu studieren, das in Deutschland noch zuwenig anerkannt ist. Umso bedeutender war die Verleihung des Pulitzer Preis an Art Spiegelman anläßlich des Erscheinens des zweiten Bandes von 'Maus'.

 

 

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