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Museum FolkwangGoethestraße 41
45128 Essen
Tel. 0201 - 884 53 14; Fax 0201 - 78 83 30
Di - So 10 - 18 Uhr, Do 10 - 21 Uhr, Mo geschlossen
http://www.museum-folkwang.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
Graphisches Kabinett
09.04. - 18.06.2000
Ernst Ludwig Kirchner"Farben sind die Freude des Lebens"
Das innere Bild
Die Ausstellung "Farben sind die Freude des Lebens" Ernst Ludwig Kirchner - Das innere Bild" wurde zusammen mit dem Kirchner Museum Davos erarbeitet. Es ist die erste Ausstellung, die sich eingehend mit dem "Neuen Stil" des Künstlers beschäftigt, den Kirchner ab 1925/26 im Anschluss an die internationalen spätkubistischen Stilrichtungen entwarf. In der umfassenden Schau werden neben den Hauptwerken der späten Epoche auch einige der in Dresden und Berlin entstandenen, später überarbeiteten Gemälde, etwa das Bildnis Erich Heckel (1910 und nach 1923/24), sowie die großen Landschaftspanoramen der frühen Davoser Zeit wie der "Alpsonntag" (1923/24) präsentiert. Die Entwicklung Kirchners vomTafelbildmaler zum Gestalter von Wandbildern wird aufgezeigt. Der Blick auf die innere Notwendigkeit im Werk des Künstlers wird ergänzt durch Seitenblicke auf bedeutende Zeitgenossen, deren Kunst den Stilwandel Kirchners anregte und befruchtete: Le Corbusier, Pablo Picasso, Oskar Schlemmer ("Konzentrische Gruppe", 1925), Willi Baumeister, Fritz Winter, André Masson und Max Ernst.
Auch dies ist eine Premiere.Thematisch ist die Ausstellung vor allem auf den Künstler als Menschenbildner konzentriert, eine Hommage an das innere Bild Kirchners, der sich gerne als einen der wichtigsten Figurenmaler der Moderne bezeichnete. Neben diesem Schwerpunkt belegen vor allem die Davoser Landschaften die visionäre Kraft des Künstlers. Die Auswahl der Exponate, die sich an der von Kirchner selbst zusammengestellten Retrospektive 1933 in der Kunsthalle Bern orientiert, zeichnet den Weg Kirchners von einer expressiv-realistischen zu einer abstrahierend-idealistischen Kunst nach. Dabei werden die zentralen Themen im Davoser Werk deutlich herausgestellt: die pastorale Alpen-Landschaft, das symbolhafte Bildnis des Menschen und der Tanz als Sinnbild der Lebensfreude ("Farbentanz I", 1930/32).Den Einstieg in das Thema der Ausstellung bilden die um 1925 überarbeiteten frühen Gemälde der Dresdner und Berliner Zeit. Mit diesen großzügigen Übermalungen erweist sich Kirchner als sein radikalster Kritiker, der nicht nur sein
frühes Werk aktualisiert, sondern zugleich auch den expressiven Ausdruck des Zufälligen in seinen frühen Arbeiten zu dauerhaften, dem zeitgeschichtlichen Augenblick enthobenen Kompositionen verändert. In diesem Vorgehen wird auch ein zentraler Punkt in Kirchners Biographie nachvollziehbar, seine immer gegenwärtige Selbsteinschätzung als führende und stets innovative Künstlerpersönlichkeit, als beständiger Erneuerer der Kunst.Das frühe Gemälde "Eisenbahnüberführung Dresden-Löbtau" (1910/ 1926) das sicherlich in den 20er Jahren überarbeitet wurde, belegt gerade im Vergleich mit dem späten Bild "Junkerboden" (1938) die Art und Weise der Anpassung des Frühwerks an das neue Stilwollen. Der raue, transparente und flüchtige Farbauftrag der Frühzeit, der nicht zuletzt das Lebensgefühl der deutschen Jahre Kirchners transportierte, wurde geglättet, die in lockeren Strichen gesetzte Farbe zur Fläche ausgeweitet. Allerdings blieb die ursprüngliche Komposition von den Eingriffen unberührt.
Mit Ausstellung und Katalog wird der individuelle Weg Kirchners innerhalb des zeitgenössischen Umfeldes nachgezeichnet. Eine besondere Rolle spielt hierbei Kirchners persönliche Beurteilung seiner Werke, die er nach 1925 nicht mehr unbedingt als intimen Wandschmuck verstand, sondern als repräsentative Ausstattung öffentlicher Räume, wie er es sich am Beispiel der Ausmalung des Festsaals im Museum Folkwang vorstellen konnte und die er sich als höchste Erfüllung seines Lebenswerkes wünschte ("Entwurf für den hinteren Festraum", 1927 ).
Katalog 208 Seiten, 100 farbige und 50 einfarbige Abbildungen, Halbleinen, Format 23 x 26,5 cm mit Beiträgen von Hubertus Froning, Georg-W. Költzsch, Mario-Andreas von Lüttichau (alle Museum Folkwang Essen), Roland Scotti (Kirchner Museum Davos)
Eröffnung: 07.04.2000, 11.30 UhrEs sprechen:
Georg-W. Költzsch
Roland Scotti
Mario-Andreas von Lüttichau
Henning Osthues-Albrecht