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Kunstverein Braunschweig
Haus Salve Hospes
Lessingplatz 12
38100 Braunschweig
Tel. 0531 - 495 56; Fax 0531 - 12 47 37
täglich außer Mo 11 - 17 Uhr, Mi 11 - 20 Uhr
info@kunstverein-bs.de
www.kunstverein-bs.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
08.03. - 12.05. 2008
Christoph Keller
Observatorium
Kuratiert von Hilke Wagner
Christoph Keller (geb. 1967 in Freiburg, lebt in Berlin) nutzt in seinen
häufig wie Versuchsanordnungen anmutenden Installationen die diskursiven Möglichkeiten der Kunst, um sich mit Themen der Wissenschaft und ihrer Utopien zu beschäftigen. Die Ausstellung, Kellers erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland, bildet den Auftakt des Ausstellungsprogramms 2008 und knüpft so an das Braunschweiger Wissenschaftsjahr an.Beim "Cloudbuster-Project" (2003) handelt es sich um Reenactments
der Experimente Wilhelm Reichs zur Beeinflussung der Atmosphäre mit Orgonenergie. In "Encyclopaedia Cinematographica" (2001) und "Archives as Objects as Monuments" (2000) befasst sich Keller mit der Archäologie des wissenschaftlichen Films, mit der Unmöglichkeit objektiver Dokumentation wie auch dem Problem des Archivs in seinem Anliegen, allumfassendes Wissen zu ordnen. Bei aller methodischen Objektivität ist es stets ein Auswählen und willentliches Gestalten.In "Expedition-Bus and Shaman-Travel" (2002), einem verspiegelten Campingbus für Forschungsreisen, wird der ethnografische Blick der Wissenschaft als Projektion der eigenen Kultur enttarnt. Der Betrachter wird in die Installation einbezogen und selbst zum Feldforscher, denn letztlich geht es Keller darum, Methoden und Verfahren wissenschaftlicher Arbeit mit dem räumlichen, aber auch dem psychisch-physischen Erfahren von Kunst zu verbinden.
Zurzeit arbeitet Keller an grenzwissenschaftlichen Themenfeldern wie der Verbindung zwischen Hypnose und Kinematografie ("Hypnosis-Film-Project" [2006]). In "The Chemtrails Phenomenon" (2006) und "The Whole Earth" (2007) geht es um Verschwörungstheorien im Internet, die als »Wissenschaftskonstrukte« gleichermaßen Ausdruck eines bestimmten gesellschaftlichen Bewusstseins sind.
Es handelt sich um die erste institutionelle Einzelausstellung Kellers, der in den letzten Jahren an verschiedenen internationalen Gruppenausstellungen beteiligt war (u.a "Made in Germany, Hannover, 2007; "Say it isn't so. Naturwissenschaften im Visier der Kunst", Museum Weserburg, Bremen, 2007; "Again for Tomorrow", Royal College of Arts, London, 2006; "Science + Fiction", Tokio/Stockholm, 2004/2005.) Neben Filmen und Installationen; die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind, wird die Ausstellung auch neue, eigens für die Ausstellung entstandene Werke präsentieren. Ein attraktiv gestalteter Katalog (dt./engl.) begleitet die Ausstellung.
Eröffnung: 7. März 2008, 19 Uhr
08.03. - 12.05. 2008
Claus Richter
Two Barnum Egress Drifts
Eröffnung: Freitag, 7. März 2008, 19 UhrKuratorin: Ursula Schöndeling
Claus Richter
geb. 1971
lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Schloss Ringleben"Dreams are my reality" die Paraphrase eines bekannten Popsongs aus den 80er Jahren wählte Claus Richter als Überschrift zu einem seiner Aufsätze, die seine Doppelbegabung als Künstler und Forscher illustrieren und zentral für seine künstlerische Praxis sind. Claus Richter interessiert sich für künstliche Welten als Orte künstlerischer Imagination. Ihnen ist er auf der Spur und er findet sie in so unterschiedlichen Regionen wie in den Burgen und Gärten der (schwarzen) Romantik, den Grotten der Renaissance und König Ludwigs, den ersten sog. Dark Rides der Jahrhundertwende, die die Vorläufer zu heutigen Themenfahrgeschäften in Vergnügungsparks wie Disneyland abgeben oder im Weltraum, wie er im Genre Science Fiction, das sich wie der Name so sagt, wissenschaftlich mit Zukunftsfiktionen auseinandersetzt, entworfen wird.
Claus Richter erforscht diese Welten systematisch wissenschaftlich und schöpferisch aneignend zugleich. Seine Sozialisation ist von den Mythen einer medialisierten Welt geprägt, die wie für die meisten seiner Generation den Stoff aus dem die Träume sind abgeben. Claus Richter hat sich diesen investigativ genähert, um sie Gestalt annehmen zu lassen. In Frankfurt realisierte er im Jahr 2006 seinen ersten Dark Ride. Zahlreiche Kulissen innerhalb eines Rundparcours erzählten unter dem Titel "Serendipity" von Erfindungen, die als zufällige Nebenprodukte intensiver Forschung Berühmtheit erlangten. Die Zuschauer durchfuhren den Parcours mit einem kleinen Wägelchen, begleitet immer von der selbst komponierten Musik und erklärenden Texten des Künstlers. Seine umfassende künstlerische Energie macht aber nicht beim Bau von Kulissen und Unterhaltungsmusik halt. Seit Jahren schon performt er zusammen mit seinen KünstlerkollegInnen Oliver Husain, Sergej Jensen und Michaela Meise professionell in kleinen Shows, deren meist skurrile Skripts im Verbund mit fantastischen Kostümen und Kulissen um so mehr zu verzaubern verstehen, als sie den Charme des Selbstgebastelten mit dem verführerischen Glitzern fragilen Glamours paaren. Als Soloperformer bestreitet er so unterschiedliche Formate wie die Lecture Performances, in denen er seine (Feld-) Forschungen im Bereich der Fan-Kultur und Herstellung künstlichen Welten in historischer wie zeitgenössischer Hinsicht zur Begeisterung seines Publikums Erkenntnis fördernd weitergibt (HAU, Berlin, 2007) oder aber selbst in bester Vadeuvillemanier in die Rolle des Puppenspielers schlüpft (Frieze, London, 2007) oder steppend als Musicalstar (Fine Art Fair, Frankfurt, 2007) reüssiert.
Die künstlichen Welten, wie sie Baudellaire als Kennzeichen und Fluchtpunkte der Moderne markierte und die von Adorno meist unter dem Begriff der Kulturindustrie abgehandelt wurden, eignet sich Claus Richter an und besetzt sie neu ohne ihnen die berauschende Fremdheit oder Exzentrik zu nehmen. Claus Richter legt Hand an und beweist damit,
"sometimes dreams come true".
Die Internetseite von Claus Richter: www.clausrichter.net
Für die Ausstellung im Kunstverein Braunschweig entstand diese Arbeit:
07.06. - 10.08. 2008
Yehudit Sasportas
Laboratory
Die israelische Künstlerin Yehudit Sasportas [geb. 1969 in Ashod, lebt in Tel Aviv] gehört zu den bedeutendsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Kunst Israels. 2007 vertrat Sasportas das Land auf der 52. Biennale von Venedig. In ihren großformatigen, mit schwarzer Tusche gezeichneten menschenleeren Landschaftsdarstellungen verbindet Yehudit Sasportas das unmittelbare Erleben von Natur mit den im Atelier intuitiv ausgeführten, seltsam entrückt wirkenden Zeichnungen ihrer Erinnerung. Künstlich arrangierte Stillleben, Projektionen von Fotografien oder mit Hilfe des Computers visualisierte Geräusche fließen in die Darstellung mit ein. Die Landschaften aus Bäumen, Bergen und Seen sind so weniger Abbild der äußeren Realität als individuelle, dem Unbewussten entstammende Psychogramme.
07.06. - 10.08. 2008
Julia Horstmann
Julia Horstmann
geb. 1974
lebt und arbeitet in Berlin
Julia Horstmann hat an der Kunsthochschule in Hamburg studiert und dort bereits sehr früh szenische und performativ theatralische Inszenierungen geschaffen. Oft wurden diese in Gemeinschaftsarbeiten umgesetzt. So hat sie gemeinsam mit Ulla von Brandenburg ein Schattenspiel entwickelt, bei dem in einem abgedunkelten Raum auf eine Stofffläche Schattenrisse projiziert werden. Die Künstlerinnen bedienen sich dabei einer sehr alten Theaterform, die mit einfachsten Mitteln eine fast magische Stimmung entstehen lässt. Ihre szenischen Arbeiten sind aber nicht auf die geläufige Praxis des Spielens vor Publikum beschränkt sondern zielen auch auf die Verwicklung der BetrachterInnen in das Ritual des Spiels.
Schattenspiel mit Ulla von Brandenburg
So hat sie zusammen mit Hanna Schwarz den Salon de Thé mit Vorträgen und Ausstellungen initiiert. Ein orientalischer Teppich und ein Teewagen dienten zur Markierung des Raumes, der an immer neuen Orten, u.a. Wohnungen, Parks und Läden zum Erfahrungsfeld für künstlerische Praktiken wurde. Die SalonbesucherInnen wurden in die Szenerie eingebunden und Teil davon. Die Konfusion von Beobachter und Beobachtetem spielt auch in ihren neuesten Arbeiten eine große Rolle.
Bei ihrer letzen Einzelausstellung in der Galerie Christian Nagel in Berlin entwarf sie eine Kulisse, die auf die von einer Schaufensterfront geprägten räumlichen Situation der Galerie, reagierte. Vorausgegangen war die Auseinadersetzung mit dem architektonischen Ansatz des Wiener Architekten Adolf Loos (1870 - 1933) und dem von ihm entworfenen, 1930 gebauten Haus Müller in Prag. Loos Prinzip des ,Raumplans' orientiert sich nicht am Grundriss sondern am Menschen im Raum. Daraus entstanden vielschichtig miteinander durch Treppen- oder Blickachsen verbundene Räume, die das Guckkastenprinzip zugunsten von Handlungsräumen aufhoben. Loos bezeichnete das Haus als "Bühne des Familiendramas".
Der französische Philosoph Jacques Ranciere nimmt in seinem Essay der "emanzipierte Betrachter" die Unterscheidung zwischen "theatron" und "drama" vor, wobei er dem letzteren den Vorzug ob seines handlungsorientierten Ansatzes gibt. Auf den Guckkasten der Galerie Nagel reagierte Julia Hortsmann durch architektonische Zitate aus dem von Adolf Loos entwickelten Repertoire zur Inszenierung eines "Betrachterdramas". Sie begann mit der Einstellung eines Paravents in den Raum. Die Barriere, die vor Blicken schützt, war mit Klappfenstern versehen, die gleichzeitig Durchblicke freigaben. Eine Wandmalerei zitierte eine ähnliche Durchblickssituation im Haus Müller und die ausgestellten Scherenschnitte nahmen wiederum bestimmte Raumsituationen im Haus Müller zum Ausgangspunkt. Der Galerieraum verwandelte sich so in eine Bühne, die eine Vielzahl von Perspektiven bereitstellte, in der sich die BetrachterInnen von immer neuem widergespiegelt fanden.
Für ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Kunstverein Braunschweig entwickelt Julia Horstmann eine neue Arbeit.
Eröffnung: 6. Juni ab 19 Uhr
8. Mai 2008, 19 Uhr
Vortrag Dr. Justus Lange:
"Peter Joseph Krahe und
die Anfänge des Kunstvereins Braunschweig."11. Juni 2008, 19 Uhr
Vortrag Dr. Elisabeth Kieven:
"Die Schule Roms - Peter Joseph Krahe und
Christian Frederik Hansen in Rom."
24. Mai 2008
Mitgliederfahrt nach Berlin zur Berlin Biennale und
Stadtrundfahrt mit Tobias Engelschall
14. Juni 2008
Mitgliederfahrt nach Hamburg zur Mark Rothko Retrospektive und zur
Ausstellung Thomas Demand Camera in der Hamburger Kunsthalle
Samstag, 27. September
Tagesexkursion: Derneburg und Wrisbergholzen
Landschaftspark und Architektur im Klassizismus
Führungen: Dr.-Ing. Simon Paulus,
Dr.-Ing. Ulrich Knufinke, Krahe-Initiative
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