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Kunsthalle NürnbergLorenzer Straße 32
90402 Nürnberg
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aktuelle Ausstellung / current exhibition
2.10. - 7.12. 1997
Arte PoveraArbeiten und Dokumente aus der Sammlung Goetz 1958 bis heute
Vor genau dreißig Jahren prägte der italienische Kritiker Germano Celant die Bezeichnung Arte Povera. Er brachte damit auf einen Begriff, was eine Reihe junger Künstler in Turin, Mailand und Rom damals unabhängig voneinander beschäftigte. In kritischer Haltung gegenüber dem herkömmlichen, geschlossenen Werkbegriff und dem etablierten Kunstbetrieb, wollten die Künstler ihre Werke in der Realität verankern. Im Gegensatz zu den in den USA entstandenen Strömungen der Pop Art oder Minimal Art ist diese angestrebte Präsenz in den neuen Werken nicht geschichtslos, sondern bindet sich in Zitaten und Metaphern bewußt an ein italienisch-europäisches Kulturerbe.
Die Werke der Arte Povera bilden die Welt nicht ab, sondern erschaffen sie in poetischen Erzählungen und unerwarteten Konstellationen immer wieder neu. Die Künstler benutzen die Unmittelbarkeit und Unkalkulierbarkeit, die vermeintliche "Ärmlichkeit" der Materialien aus Natur und Leben, um Werke zu schaffen, die offen und veränderlich bleiben. Feuer brennt und verbrennt, Wasser breitet sich aus und gefriert, feuchte Luft kondensiert zu Reif, Pferde schnauben, Früchte des Feldes wachsen und vergehen, Neon durchzieht energetisch die Malerei, Gold oder Wachs erstarren und verschließen. Das Spiel mit der Prozesshaftigkeit, mit der Fragilität und der Flüchtigkeit elementarer Stoffe verbindet sich in diesen Werken ganz selbstverständlich mit Errungenschaften der Zivilisation.
Die Arte Povera ist mittlerweile zu einer klassischen Strömung der Kunst nach 1960 geworden. Obwohl viele der Werke vergänglich waren und sich jeglicher Musealisierung entzogen, haben neben dokumentarischen Fotografien auch eine Reihe von Skulpturen, Bildern und Zeichnungen die Zeit überdauert. Die Münchner Sammlerin Ingvild Goetz hat schon sehr früh damit begonnen, Werke von Giovanni Anselmo, Alighiero Boetti, Pier Paolo Calzolari, Luciano Fabro, Jannis Kounellis, Mario Merz, Giulio Paolini, Pino Pascali, Giuseppe Penone, Michelangelo Pistoletto, Emilio Prini und Gilberto Zorio für ihre Sammlung zu erwerben. Heute ist daraus ein für diese italienische Avantgardebewegung repräsentativer und einzigartiger Sammlungskomplex entstanden, der zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wird.