german galleries / index cities / index galleries / index artists / index Hannover
Kestner GesellschaftGoseriede 11
30159 Hannover
Tel. 0511 - 70 12 00, Fax 0511 - 368 16 99
täglich 10 - 19 Uhr, Do 10 - 21 Uhr, Mo geschlossen
kestner@real-net.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
11.03. - 7.05.2000
Jörg Immendorff
Jörg Immendorff, 1945 in Bleckede geboren, zählt zu den herausragenden Malern der Gegenwart. Wie kaum ein anderer Künstler unserer Zeit hat Immendorff es verstanden, in den vergangenen Jahrzehnten auf unterschiedlichsten künstlerischen Wegen die Position der Malerei im Kanon der Künste zur Diskussion zu stellen und die Aufgabe des Malers zum Sujet einer hitzigen Debatte zu machen, die seine Bilder ausfechten.
Breite internationale Aufmerksamkeit erlangte das Werk erstmals gegen Ende der 70er Jahre. Immendorff war gelungen, aus einer Materiie Funken zu schlagen, die man längst untergegangen wähnte. In seinen "Café Deutschland"-Bildern lebte die Tradition des politisch-histonischen Ereignis-Bildes wieder auf. Die Wunden der deutschen Teilung wie die Notwendigkeit, die Einheit zu denken, wurden in diesen Bildern zum virulenten Ereignis. Mit den imaginären Szenerien des "Café Deutschland" hat Immendorff einen einzigartigen Kommentar der deutschen Politikgeschichte der letzten 30 Jahre geschaffen.
Diese politische Dimension des Werkes, dessen narrutive Kraft im Vordergrund der Rezeption stand, hat gleichsam den Blick auf die malerische Qualität des Werkes verstellt, das sich seither auf vielfältige Weise gewandelt hat.
Die drastische Vehemenz, mit der Immendorff beispielsweise in seinen "Café Deutschland"-Bildern operierte, ist einer präzisen Konstruktion der Bildräume gewichen. In imitierenden Perspektiven und der kühl gestochenen Schärfe der Lineaturen zeichnet Immendorff ein prägnantes Bild unserer Zeit, in dem Realität und Vorstellungswelt sich auf unnachahmliche Weise vermischen.
Bildserien wie "Café de Flore", "The Rake's Progress" etc. sind Stationen dieses künstlerischen Weges, auf dem die Themen und Sujets sich im Zuge einer stetigen Entwicklung der malerischen Sprache verwandelt haben.
Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung des Werkes, die sich durchaus in Quantensprüngen vollzieht, anhand ausgewählter Werke nach. Einem Prolog, der Werke aus den 80er Jahren vorstellt, die malerische Äquivalente für die politische Atmosphäre im geteilten Deutschland finden, folgen Werke der 90er Jahre, in denen der Blick auf die Welt gewissermaßen im Kaleidoskop eines Welttheaters erscheint, das Immendorff mit den Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts inszeniert.
In der kühnen Arithmetik der Motive und Farben dieser Bilder, wird der Versuch unternommen, die Erfahrungeiner disparaten Welt im Bild des Malers zu fassen. Dabei fungiert der Künstler selbst, dessen Selbstportrait in den unterschiedlichsten Masken diese Panoramen unserer Zeit durchzieht, als Spiegel, in dem die Wahrnehmung der Welt sich kaleidoskopisch bricht.
Den dritten, und wohl entschiedensten Wendepunkt des Werkes markieren die neuen Bilder Immendorffs, die mit der Ausstellung in der Kestner Gesellschaft erstmals im Licht der Öffentlichkeit stehen. Diese Bilder zeigen eine ganz neue Handschrift des Künstlers. Entschiedener noch als mit den Werken der letzten Jahre reduziert Immendorff die Sprache seiner Bilder auf das reine Vokabular der Malerei. Die Vielzahl unterschiedlicher Szenen, die in den früheren Bildern zusammengebunden wurden, macht nun wenigen isolierten Motiven Platz, die auf changierenden malerischen Flächen schweben.
Einmal mehr überrascht uns der Künstler mit einer neuen, ungeahnten Bildsprache, in der die zentralen Motive seines Werkes den permanenten Wandel der Malerei - wie der Welt - in originärer Weise formulieren.