german galleries / index cities / index galleries / index artists / index Heidelberg


Heidelberger Kunstverein

Hauptstraße 97
69117 Heidelberg
Tel. 06221 - 18 40 86: Fax 06221 - 16 41 62
Di - Do - Sa - So 11 - 18 Uhr, Mi 11-20 Uhr, Fr 11-22 Uhr
hdkv@hdkv.de
www.hdkv.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition

 

 

10.09. - 05.11.2000


ZIMZUM

Aktuelle Kunst aus Israel

Der Heidelberger Kunstverein zeigt in Koo peration mit demjüdischen Kulturverein Tarbut als besonderen Schwerpunkt seines Programms eine Ausstellung zum Thema "Aktuelle Kunst aus Israel". Israel ist heute mehr denn je ein Land des Wandels. Die Suche nach einem Identitätskonsens in einer lebendigen Einwanderergesellschaft polarisiert das israelische Selbstverständnis: Westlicher Lebensstil begegnet in Tel Aviv und Jerusalem ganz verschiedenen, doch durchweg Jahrtausende alten religiösen Traditionen. Zwischen Internet und Klagemauer wächst eine Generation junger Israelis heran, die mit neuer Offenheit ihr Land und seine Geschichte betrachten. Im israelisch-arabischen Friedensprozess schien sich mit der Wahl Ehud Baraks eine neue Entwicklung anzubahnen, die jedoch immer wieder durch Gegenbewegungen stark gefährdet ist.
Diese Auseinandersetzungen und Entwicklungen werden nicht in einem Vakuum geführt, sondern in einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit. Zu dieser Öffentlichkeit gehören in besonderem Maße die Künstler Israels. Wie die israelische Gesellschaft, so ist auch die Kunst Israels von Ambivalenzen geprägt. Die Kunstproduktion zeigt sich thematisch am eigenen Land, seinen Traditionen und seiner Gegenwart orientiert und ist gleichzeitig stilistisch auf internationale Maßstäbe und Trends ausgerichtet.
Vier international renommierte Künstlerinnen und Künstler aus Israel - allesamt zum Teil mehrmalige Documenta und/oder Biennale-Teilnehmer - wurden eingeladen, nicht nur eigene Arbeiten zu präsentieren, sondern ihrerseits vier noch weitgehend unbekannte Künstlerinnen und Künstler ihrer Wahl zu benennen. Diese acht Künstler werden in einer gemeinsamen Ausstellung im Heidelberger Kunstverein vorgestellt. Bei der Eröffnung der Ausstellung sind sämtliche Künstlerinnen und Künstler anwesend: Jumana Emil Abboud, Nelly Agassi, Guy Ben-Ner Dani Karavan, Sigalit Landau, Ohad Meromi, Nahum Tevet und Micha Ullman.
Durch die sehr bewusst getroffene Auswahl wird die Ausstellung einen generationenübergreifenden, tiefen Einblick in die israelische Kunst der Gegenwart bieten. Das Publikum wird ebenso mit internationalen Positionen der Kunstwelt wie mit spezifischen künstlerischen Ansätzen aus Israel bekannt gemacht. Gemeinsam ist allen Arbeiten die Beschäftigung mit der Frage nach der eigenen Identität im Spannungsfeld unterschiedlicher kultureller Vorgaben.
Keiner der vier jüngeren Künstler und Künstlerinnen hat bisher in Deutschland ausgestellt. Nahezu alle Beteiligten fertigen vor Ort eigens für diese Ausstellung entstehende Arbeiten an. Aus diesem Grund wird der Katalog erst im nach hinein, als Dokumentation, erscheinen können. Einstweilen dient dieses gegenwärts als Katalog-Ersatz. Das folgende Lexikon ist als kleine Handreichung zum Verständnis gedacht.

Abboud, Jumana Emil
wurde 1971 in Shefa-amer in Galiläa geboren. Sie lebte 1979-1991 mit ihrer Familie in Kanada, studierte dort am Ontario College ofArt in Toronto, kehrte 1991 nach Galiläa zurück und begann im folgenden Jahr ihre Studien an der Bezalel Academy of Art in Jerusalem. Neben Einzelausstellungen in Israel weist ihre Biographie die Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen in England, Jordanien, Italien und Norwegen auf.
Jumana Emil Abboud wurde für die Heidelberger Ausstellung von Micha Ullman vorgeschlagen. Sie lebt heute in der Altstadt von Jerusalem, ist israelische Staatsbürgerin, betrachtet sich aber als Palästinenserin. Ihr kultureller Hintergrund ist nicht die Welt des Islam, sondern die des Christentums, worauf sie auch in ihrer Heidelberger Installation Bezug nimmt.
Auf der Galerie der Kunstvereinshalle wird Jumana Emil Abboud eine aus Zeichnungen, Devotionalien, kleinen Objekten und Fotografien bestehende Installation aufbauen, die sich dem Thema der Frau in der Gesellschaft widmet, der traditionellen Rolle der anonymen, dienenden, sich aufopfernden, den Alltag bewältigenden Frau und der Heroisierung bzw. Sakralisierung dieser Rolle, wie sie sich insbesondere in den Andachtsbildern des Marienkultes manifestiert. Jumana Emil Abboud reflektiert in diesem stillen, poetischen Szenario ohne vergröbernde Schematisierung die komplexe Situation der Frau in der arabischen Gesellschaft, die sich grundlegend von der des modernen, westlich geprägten Israel unterscheidet.

Agassi, Nelly
wurde 1973 in Israel geboren. Sie besuchte zunächst die Hochschule Vitso Zarfat (Keramik, Skulptur) und leistete dann ihren Militärdienst ab. Anschließend studierte sie an der Central Saint MartinsKunsthochschule in London und absolvierte Kurse an der Camera Obscura in Tel Aviv. In Workshops, Ausstellungen und insbesondere Perfon-nances machte sie in London, Polen und Israel auf sich aufmerksam. 1999 erhielt sie das Amerika-Stipendium der Israel Cultural Foundation. Nelly Agassi lebt in Tel Aviv. Sie wurde von Dani Karavan für diese Ausstellung vorgeschlagen.
Auch Nelly Agassi thematisiert ihr Selbstverständnis als Frau. Bisherige Performances handelten von Nähe und Distanz, Vertrautheit und Fremdsein, von den Schwierigkeiten, der vorgegebenen Rollenerwartung gerecht zu werden. Titel wie "No Stepping the Lines" und "No Stepping on the Floor" verweisen auf Kinderspiele mit strengen Regeln. In ihren Performances steht die Künstlerin immer selbst als Agierende im Mittelpunkt, verrichtet typisch "weibliche" Handlungen, bedient, lädt ein, schenkt aus. Materialien wie Wolle, Haare und Kleider, Tätigkeiten wie Nähen, Sticken oder Bügeln kommen zum Einsatz, ein Schaufenster bildet in London die Bühne einer irritierenden, gleichermaßen sich preisgebenden wie sich verweigernden Präsentation.
In Heidelberg wird Nelly Agassi im Rahmen einer Preview am Samstag, 9. September um 17 Uhr zum Tee laden. Nur wenige werden diese Performance - Titel: unstitching the light - miterleben können, doch deren Relikte, die Gegenstände, mit denen agiert wurde, der düster beleuchtete Raum, der Tisch, die Bänke, Teller, Tassen, Steine, Kerzen, eine ebenso einfache wie sich einprägende Musik - all dies wird, zusammen mit einer Video-Dokumentation, Bestand der Ausstellung bleiben.

Ben-Ner, Guy
wurde 1969 in Israel geboren. Er studierte am Art-Teachers College "Hamidrasha" in Ramat-Hashron und erhielt 1994 das von Anselm Kiefer gestiftete Ingeborg-BachmannStipendium der Wolf Foundation. Er war in zahlreichen Einzelausstellungen in Israel vertreten, in Gruppenausstellungen außerdem in Frankreich und den USA.
Guy Ben-Ner lebt in Tel Aviv. Er wurde von Nachum Tevet vorgeschlagen und zeigt in der Heidelberger Ausstellung großformatige Zeichnungen auf Aluminium-Folie, Entwürfe ebenso präziser wie alptraumhaft komischer Maschinen, erdacht, um menschliche Regungen zum Auslöser (selbst)mörderischer Geschehnisse zu machen.

Ein Video zeigt inmitten alltäglicher Verrichtungen die Fata morgana einer Robinsoninsel, entwaffnend konkret und keineswegs ohne Umsteigemöglichkeit in die sie umgebende Realität. Sand, Palme und Lagerfeuer mitten in der Küche mit der gleichen Nonchalance bringt der Künstler die gemeinhin "sauber" getrennten und doch in Physis und Psyche so eng verbundenen Bereiche von Männlichkeit, Sexualität und Vaterschaft in eine befreiend selbstverständliche, aufgrund der gewohnten Tabuisierung jedoch zunächst eher surreal anmutende Beziehung zueinander.

Concert
Parallel zur Ausstellung finden weitere Veranstaltungen zur Kultur Israels statt, so u.a. ein klassisches Konzert in der Aula der Alten Universität.

Dank
sagt der Kunstverein allen, die zum Gelingen dieser Ausstellung beigetragen haben: In erster Linie den austellenden Künstlerinnen und Künstlern, dann aber insbesondere den Mitgliedern der Arbeitsgruppe des- Jüdischen Kulturvereins "Tarbut", die hier namentlich aufgeführt seien: Michael Akselrad, Rudij Bergmann, Daniela Eisenstein, Esther Graf Sharon Levinson, Manfred Metzner und Rolf Schneider. Zu danken haben wir der Stadt Heidelberg, die die Schirmherrschaft über diese Ausstellung übernommen und sie mit einem Sonderzuschuß unterstützt hat, insbesondere ihrer Oberbürgermeisterin, Frau Beate Weber, ebenso aber auch dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, hier gilt unser Dank vor allem Herrn Staatssekretär Michael Sieber, sowie der Kulturabteilung der Israelischen Botschaft mit ihrer Leiterin, Frau Dvora Ben-David, und der Kulturabteilung des israelischen Außenministeriums mit Frau Iona Marcu.
Ohne die materielle und sachkundige Hilfe zahlreicher Sponsoren hätte diese Ausstellung nicht realisiert werden können - wir listen nebenstehend die Firmen und Personen auf, die uns großzügig unterstützt haben. Sollte jemand vergessen worden sein - was eventuell mit dem Redaktionsschluß dieses gegenwärts zusammenhängt - so bitten wir um Nachsicht.

Filme aus Israel
werden parallel zur Ausstellung unter dem Titel Israelische Filme: Package 2000 im Karlstor-Kino gezeigt. Es handelt sich dabei um aktuelle Spielfilme aus den letzten Jahren, die in den Kinos in Israel wie auch im Ausland mit großem Erfolg gezeigt wurden. Die Reihe wurde von der Kulturabteilung des israelischen Außenministeriums zusammengestellt. Sie soll die Vielseitigkeit der Filmindustrie Israels repräsentieren und dem Publikum in Europa und insbesondere in Deutschland die Realität Israels näherbringen (siehe Programmhinweise auf Seite 8-10).

 

Heidelberger Kunstverein
Der Heidelberger Kunstverein wurde 1869 gegründet. Er ist mit rund 2000 Mitgliedern einer der größten der insgesamt mehr als 300 deutschen Kunstvereine. Seit 1990 verfügt er über eine neue, große Ausstellungshalle. Seine Aufgabe besteht in der Information über wichtige Aspekte zeitgenössischer Kunst. Wenn Sie diese Arbeit unterstützen wollen, so werden Sie Mitglied im Heidelberger Kunstverein. Der Heidelberger Kunstverein ist seinerseits Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (AdKV), die den Mitgliedern aller Kunstvereine wechselseitig freien Eintritt gewährt.

Jüdischer Kulturverein "Tarbut"
Die Anregung zu dieser Ausstellung ging von"Tarbut" (hebräisch für"Kultur") aus, dem vor mehr als zehn Jahren anläßlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht von kulturinteressierten jüdischen und nichtjüdischen Heidelbergern und Heidelbergerinnen gegründeten Kulturverein. Die Motivation der Vereinsgründung war, gegenwärtige jüdische Kultur in Form von Konzerten, Ausstellungen und Lesungen in Heidelberg zu präsentieren und auf diese Weise fernab von lähmender historischer Betroffenheit und Shtetl-Romantik einen neuen Zugang zu jüdischer Kultur zu eröffnen.
Im Rahmen des 1998 rund um den 9. November veranstaltetenjüdischen Kulturfestivals kam es zu einer ersten erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Heidelberger Kunstverein und Jüdischem Kulturverein. Damals zeigte man gemeinsam in der Galerie Heller Werke der zeitgenössischen israelischen Künstler David Reeb und Eliezer Sonnenschein. Das Konzept der wesentlich umfangreicheren und aufwendigeren Ausstellung dieses Jahres wurde in einem Arbeitskreis gemeinsam von Tarbut und Heidelberger Kunstverein entwickelt (vgl. Esther Graf, "Der Kulturverein Tarbut und das mit ihm entwickelte Ausstellungskonzept", gegenwärts 6/99, S. 13).

Kravan, Dani
wurde 1930 in Tel Aviv geboren. Seine Eltern waren 1920, beide achtzehnjährig, aus Lvov (Lemberg) in Galizien eingewandert. Der Vater gestaltete als Gartenarchitekt die städtischen Parks von Tel Aviv, das Naturverständnis des Sohnes, sein Interesse am urbanen Kontext, am künstlerisch geordneten, auf den Menschen bezogenen Environment im Zwischenbereich von Gartenkunst, Skulptur und Architektur wurden wohl hier bereits grundgelegt. Nach Kunststudien in Tel Aviv und Jerusalem sowie in Florenz und Paris wurde Karavan in Israel durch Bühnenbilder, Wandmalereien und Betonreliefs bekannt.
1965/66 gestaltete er die Stimwand im Plenarsaal der Knesset, 1963 erhielt er den Auftrag für das Negev-Monument in der Wüste bei Beer Sheba. International bekannt wurde er u.a. durch seine Beteiligung an der 38. und der 40. Biennale in Venedig (1976 und 1980) sowie an der documenta 6 und 8 (1977 und 1987). Seither hat Dani Karavan zahlreiche temporäre und permanente Arbeiten im öffentlichen Raum ausgeführt, so u.a. in Israel, Italien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Dänemark, Japan und Korea. 1983 fand eine Ausstellung im Heidelberger Kunstverein statt. Das Projekt einer Neugestaltung des Heidelberger Universitätsplatzes fand im Gemeinderat leider nicht die nötige Mehrheit.
Das Schaffen des unlängst mit dem hochdotierten Kunstpreis "Prämium Imperiale" ausgezeichneten Künstlers hat häufig politische Implikationen, so etwa in der"Straße der Menschenrechte" (Nürnberg 1989-99) oder im Mahnmal der"Passages" für Walter Benjamin (Port Bou, 1990-94). Für die Ausstellung Zimzum hat Dani Karavan die Künstlerin Nelly Agassi vorgeschlagen, er selbst hat im Außenbereich des Kunstvereins eine Arbeit aus Licht und Wasser realisiert, die Natur und Architektur miteinander verbindet. Hingewiesen sei bei dieser Gelegenheit noch auf die Kunstvereinsreise nach Hannover (Expo), Wolfsburg, Goslar und Hannoversch Münden (30.8.-3.9.), bei der die Möglichkeit besteht, neue Arbeiten von Dani Karavan und Micha Ullman zu sehen.

Landau, Sigallt
wurde 1970 in Israel geboren. Nach ihrer Militärzeit absolvierte sie eine Tanzausbildung an der High School Academy in Jerusalem und begann dann ein Kunststudium, das mit einem Austauschjahr an der New Yorker Cooper Union School in Hans Haackes Klasse verbunden war. Sie erhielt diverse Preise in ihrem Heimatland, 1997 dann Einladungen nach Venedig, wo sie zusammen mit anderen israelischen Künstlern den Pavillon ihres Landes einrichtete, sowie nach Kassel zur documentaX. Seit jenem Jahr folgten zahlreiche Ausstellungen in Europa.
Die kosmopolitische "Globetrotterin" Sigalit Landau lebt in Berlin, London und Jerusalem. Bekannt wurde sie vor allem durch den auf der Documenta gezeigten Container Resident Alien , der eher beiläufig hinter dem Kasseler Bahnhof abgestellt worden war. Man konnte ihn betreten, stellte dann fest, daß sein Boden in harter manueller Arbeit zu einer felsigen Gebirgslandschaft umgeformt worden war, konnte über diese Berge steigen, im Gipfelbereich des Container-Gebirges noch das dort belassene Werkzeug ausmachen und schließlich seinen Kopf, den Klängen eines Transistorradios folgend, in das Loch eines kastenartigen Gebildes stekken, das an das Gehäuse einer Klimaanlage erinnerte. Unversehens gewann der Besucher nun Einblick in einen Raum nicht minder irritierender Art, erlebte seinen Kopf umgeben von der Öffnung einer arabischen Bodentoilette.
Um Fragen nach Ort und Ortlosigkeit, Unterwegssein und Heimat, kreist das kaleidoskopische Schaffen der Künstlerin. Es bezieht biographische und politische Aspekte ein, ohne plakativer Vereinfachung zu verfallen, fasziniert aber nicht zuletzt durch die poetische Fülle und Komplexität seiner Phantasie. "Mit traumwandlerischer Sicherheit bedient sich Sigalit Landau in ihren Arbeiten verschiedener Techniken und bewegt sich ohne Scheu zwischen den Kunstdiskursen", schreibt Tobias Asmuth im gegenwärts 3/00 (S.9). "So kann man in ein und derselben Ausstellung klassischen Skulpturen, Environments, die mit dem Raumeindruck spielen, oder Installationen, denen etwas Prozeßhaftes eignet, begegnen. Ihre Kunst ist wie eine Choreographie".
Alle Sinne sind auch angesprochen in der Performance (Titel: Somnambulin), die Sigalit Landau in Heidelberg durchführt: Am Ausstellungswochenende wird ein veritabler Betonmischer in Aktion treten, dessen Trommel zu einer Spieldose umfunktioniert wurde. Die eigens für diesen Anlaß komponierte Musik von Guy Kark macht darauf aufmerksam, daß es sich in Wahrheit um einen überdimensionalen Eiswagen handelt, von dem aus die Künstlerin kleine Lollies verteilt. Sie zeigen die Figur des unglücklichen Mädchens mit den Schwefelhölzern aus dem Märchen von Hans Christian Andersen.
Bitte entnehmen Sie Orte und Zeiten der Aktion dem beigefügtem Blatt. Eine Videodokumentation wird später Bestandteil der Ausstellung sein.

Meromi, Ohad
wurde 1967 in Israel geboren. Er studierte an der Kalisher School ofArt in Tel Aviv, an der Bezalel Academy in Jerusalem und am Hunter College der City University of New York. Meromi erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, zuletzt den Israeli Art Prize der Nathan Gottesdiener Foundation des Tel Aviv Museums. Gruppenund Einzelausstellungen in Israel, Frankreich, Italien und den USA machten sein Werk bekannt. Ohad Meromi lebt in Tel Aviv, er wurde von Sigalit Landau vorgeschlagen. Ohad Meromis Arbeiten oszillieren zwischen Architektur und Skulptur. Sie sind nicht Modelle "realer" Bauwerke, vielmehr evozieren und verbinden sie unterschiedliche Aspekte architektonischer Erfahrung, heben jedoch den Effekt des Wiedererkennens sofort wieder auf, indem die geläufigen Hierarchien des Funktionalen konterkariert werden durch Elemente autonomer Ästhetik. Außen und Innen entfallen als Kategorien der Orientierung, irritierende Überschneidungen und Durchblicke erzeugen ungewohnte, mehrdeutig lesbare Bildfolgen. Die speziell für die Heidelberger Ausstellungshalle konzipierte Installation greift Prinzipien von Meromis bisheriger Arbeit auf, nimmt jedoch in Maßstab und Einsehbarkeit (von der Galerie aus) Bezug auf die vorgegebene Architektur.
Der Künstler wird ein begehbares Olympic Village im Kunstverein aufbauen, in dem sich als Variation derselben Situation ein zweites Modell im Maßstab 1:20 befindet.

Neue Medien
Die meisten Arbeiten der Heidelberger Ausstellung bewegen sich im Zwischenbereich von Skulptur, Objekt, Rauminstallation und Performance. In mehreren Fällen spielt auch das Einbeziehen von Klängen eine wichtige Rolle. Bilder und Zeichnungen kommen bei Jumana Emil Abboud und Guy Ben-Ner hinzu, Video wird von Nelly Agassi, Sigalit Landau und Guy Ben-Ner eingesetzt - auf recht unterschiedliche Weise.

Orientierung
in der Ausstellung - ein Wegweiser: Auf dem Weg zum Ausstellungsgebäude, im Garten des Kunstvereins, empfängt den Besucher eine Arbeit von Dani Karavan. Er gewahrt die Wasserlinie, die von einem Baum zum Gebäude führt und sich an dessen Fassade in der Vertikalen als Lichtspur aus Neon fortsetzt. Die Arbeit integriert sich in die Architektur des Gebäudes und bindet dieses in seine Umgebung ein.
Im Eingangsbereich des Kunstvereins kann der Besucher einen Eis-Lolly von Sigalit Landau er-werben, eine weitere Arbeit der Künstlerin befindet sich auf dem kleinen, versteckten Balkon der Galerie. Beim Betreten der Ausstellungshalle wird der Betrachter wohl zunächst an den Wänden die Zeichnungen Guy Ben-Ners bemerken sowie den kioskartigen Pavillon, den OhadMeromi aufgebaut hat.
Das Video von Guy Ben-Ner wird nebenan in dem kleinen "Kino" gezeigt, das wir in der Cafeteria eingerichtet haben. Unter der Galerie befindet sich die Installation von Nelly Agassi, darüber die von Jumana Emil Abboud. Im großen Licht-Erker gegenüber dem Eingang ist, von mehreren Höhen aus, die Sandschüttung von Micha Ullman zu sehen, daneben im "Studio" im Untergeschoß die Skulptur von Nachum -Tevet.

Performances
Mehrere Performances finden im Rahmen der Ausstellung statt: Micha Ullmans Sandschüttung ist nicht für zuschauendes Publikum gedacht, denn hier geht es gerade nicht um die Aktion, sondern um deren Reflex im entstehenden Raum-Bild. Hingegen ist Sigalit Landaus Fahrt mit dem Eis-Truck der eigentliche Beitrag der Künstlerin zur Ausstellung, ein Projekt, an dem sie seit Jahren arbeitet. Die Performance findet am Eröffnungswochenende statt, die genauen Termine konnten bei Drucklegung dieses gegenwärts noch nicht angegeben werden. Bitte erkundigen Sie sich telefonisch (06221-184086) bzw. per e-mail (hdkv@hdkv.de), entnehmen Sie genauere Informationen der Tagespresse oder unserer Home page (http.//www.hdkv.de). Ebenso wie Nelly Agassis Tea-Time-Performance am Vorabend der Ausstellungseröffnung wird auch die von Sigalit Landau auf Video aufgezeichnet und bleibt damit Bestandteil der Ausstellung.

Schneider, Rolf
hat das Plakat der Ausstellung gestaltet - auf der Grundlage des von ihm entworfenen Plakates zum Kulturfestival 1998 des "Jüdischen Kulturvereins" Tarbut. Im Fond des Schriftplakates - die einseitige Hervorhebung nur eines der acht beteiligten Künstler durch ein Bild sollte vermieden werden - hat Schneider das Relief des als Fragment nur eben angedeuteten Magen David mit hellblauem TippEx bedeckt. Rolf Schneider ist Mitglied der Arbeitsgruppe, die diese Ausstellung vorbereitet hat. Der Kunstverein zeigte unlängst, in einer Ausstellung im April/Mai dieses Jahres (vgl. gegenwärts 4/00 und Katalog, außerdem S.16 dieses gegenwärts), neue Arbeiten von ihm, darunter etliche TippExObjektbilder. Das Plakat bildet zugleich den Ausgangspunkt der Titelblattgestaltung dieses gegenwärts sowie des (noch nicht vorhandenen) Katalog-Covers.

Tevet, Nachum
wurde 1946 im Kibbutz Messilot, Israel, geboren. Er studierte bei dem Maler Rafi Lavie in Tel Aviv und ist heute Professor an der Bezalel Academy o Art and Design in Jerusalem. Tevets Schaffen wurde in zahlreichen Ausstellungen in den USA und Europa vorgestellt, u.a. 1980 in der Galerie Schmela in Düsseldorf, 1984 im Israel Museum Jerusalem und 1986 in der Kunsthalle Mannheim. 1978 beteiligte sichNachum Tevet an derAusstellung"Seven Artists in Israel 1948-1978" des Los Angeles County Museum, 1987 an der Documenta 8 in Kassel, 1997 an der 4. Biennale Zeitgenössischer Kunst in Lyon.
Nachum Tevets Schaffen changiert zwischen autonomer Skulptur und raumbezogener Installation. Die Addition einzelner, zumeist streng konstruktiver, nur scheinbar aus dem Repertoir alltäglicher Baumarkt-Utensilien entnommener Elemente, das Zusammenwirken solcher Teile in mitunter raumfüllenden Arrangements, mag auf den ersten Blick aleatorisch anmuten, bei genauerer Betrachtung erweist es sich jedoch als in hohem Maße kalkuliert. Tevet legt größten Wert auf die subtil ausdifferenzierte Relation der Teile zum Ganzen. Skulptur besteht für ihn in den so aufgebauten Spannungsverhältnissen, die ganz unterschiedliche Materialien, Formen und Farben, Gewichtungen und Proportionen umfassen. Dem Betrachter eröffnet sich in der Veränderung des Standpunktes ein komplexer Kosmos immer neuer Ansichten, Perspektiven, Durchblicke und Überschneidungen.
Zwar kann das Verhältnis der Elemente zum Ganzen variabel sein, wie bei einer Serie höchst verschiedenartiger Wandobjekte, die gleichwohl allesamt aus identischen Teilen bestehen, doch sind die Variationen des Themas Teile einer präzisen Komposition.
Im Studio des Kunstvereins wird Nachum Tevet eine speziell für diesen Raum entwickelte vielteilige Skulptur aufbauen.

Ullman, Micha
wurde 1939 in Tel Aviv geboren. Er lehrt heute als Professor an der Kunstakademie Stuttgart. Rud~ Bergmann, Kunstkritiker und Fernsehjournalist, schreibt über Ullman und sein in Deutschland wohl bekanntestes Werk:
"Zwischen kabbalistischen Anspielungen und politischen Realitäten bewegt sich der Künstler. Wo andere Berührungsängste haben, schafft er Beziehungen. Und daß er fürdieHeidelbergerAusstellungdiejungePalästinenserin Jumana Emil Abboud vorschlägt, deren Arbeiten ihn so sehr überzeugten, ist keine taktische Geste, sondern politische Haltung ( ... ).
Für Jack Persekian, den armenischen Galeristen aus Jerusalem mit dem erste Klasse Kunstprogramm aus Europa, der eher arabische als denn israelische Positionen vertritt, ist Micha Ullman der brillanteste Bildhauer, den er je gesehen hat. Dieses Urteil bezieht sich vor allem auf dessen unterirdische Bibliothek auf dem heutigen Bebelplatz gegenüber der Berliner Humboldt-Universität. Dort brannten am 10. Mai 1933 jene Bücher, die die Nationalsozialisten als undeutsch erkannt hatten. Micha Ullmans Mahnmal, das für mehr stehen könnte als für die verbrannten Bücher, ein Glasgeschütztes: eine unterirdische Bibliothek der Stille ohne Bücher. Nicht begehbar, nur einsehbar. Ein Ort, an dem Vergangenheit unantastbar gegenwärtig bleibt" (vgl. gegenwärts 4/00, S. 11).
Micha Ullman wird im Heidelberger Kunstverein eine Sandschüttung vornehmen, deren Thema ebenfalls das Spannungsfeld von Vergangenheit und Gegenwart ist: Vergangenes bleibt als Spur sichtbar-zart, gefährdet und kraftvoll zugleich. - Hingewiesen sei bei dieser Gelegenheit noch auf die Kunstvereinsreise nach Hannover (Expo), Wolfsburg, Goslar und Hannoversch Münden (30.8.-3.9., s.S. 14), bei der die Möglichkeit besteht, neue Arbeiten von Dani Karavan und Micha Ullman zu sehen.

Zimzum bedeutet "Reduktion ... .. Verdichtung". Das hebräische Wort bezeichnet in der Lurianischen Kabbala benannt nach Isaae ben Solomon Luria, dem Begründer der jüngeren Kabbalistenschule, der 1534 in Jerusalem geboren wurde und 1572 in Safed starb - den Rückzug der göttlichen Vollkommenheit in sich selbst, wodurch erst jener Freiraum entstand, in dem sich Schöpfung, Leben und menschliche Kreativität entfalten konnten. Zugleich ergab sich mit dieser Vorstellung eine Möglichkeit, die Anwesenheit des Bösen in der Welt zu erklären. In der Kunsttheorie hat Zimzum bislang keine Rolle gespielt, doch hat Barnett Newman (1905-19 70) in den 60/80er Jahren einige bemerkenswerte Skulpturen geschaffen, denen er den Titel Zim Zum gab.

Eröffnung: Sonntag, 10. September 2000, 12 Uhr

Begrüßung: Sharon Levinson Jüdischer Kulturverein"Tarbut"

Einführung: Hans Gercke Heidelberger Kunstverein

Grußworte:
Beate Weber Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg
Dvora Ben-David Kulturabteilung der Israelischen Botschaft

Katalog: Erscheint zu einem späteren Zeitpunkt als Dokumentation der Ausstellung im Verlag"Das Wunderhorn", Heidelberg. Subskriptionspreis während der Ausstellung DM 42,-, später DM 58,(Mitglieder DM 48,-).

Führungen: Jeden Mittwoch, 18 Uhr, und jeden Sonntag, 13 Uhr (siehe S.14) sowie für Gruppen nach Vereinbarung

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin der Stadt Heidelberg und der Kulturabteilung der Israelischen Botschaft

Preview mit Performance:
09.09.2000: Somnambulin, Performance von und mit Sigalit Landau
10 Uhr, Uniplatz Heidelberg
12.30 Uhr Bahnhof Heidelberger
13.30 Uhr Kunstverein Ludwigshafen
15 Uhr Kunstverein Mannheim

09.09.2000: Unstitching Light, Performance von und mit Nelly Agassi
17 Uhr, Heidelberger Kunstverein

Bitte beachten: Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist telefonische oder schriftliche Anmeldung erforderlich.

 

 

german galleriesindex citiesindex galleriesindex artists