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Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Karl-Tauchnitz-Str. 11 04107 Leipzig Tel. 0341 - 14 08 10; Fax 0341 - 140 81 11 office@gfzk.de Di - So 12 - 19 Uhr
Führungen So 15 Uhr und nach Vereinbarung
www.gfzk.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
25.06. - 28.08. 2011
Wenn jemand eine Reise tut
mit Frank Berger, Alba D'Urbano, Thanh Long, Margret Hoppe, Katharina
Immekus, Katia Klose, Karin Wieckhorst, Arthur Zalewski, Gudrun
Petersdorff, Rozbeh AsmaniKuratiert von Julia Schäfer und Heidi Stecker
Gestaltung: Anna Lena von HelldorffDie Ausstellung zeigt zehn künstlerische Positionen, die aus
unterschiedlichen Motiven kurz- und längerfristig im Ausland unterwegs
waren. Sie haben aufgrund der Reisen Arbeiten entwickelt, die vom
Unterwegssein handeln, die das Fremde thematisieren oder die den Blick
auf das nahe liegende erneut schärfen. Hierbei spielt mitunter eine
Rolle, dass einige der KünstlerInnen im Ausland geboren und aufgewachsen
sind und andere das Fremde erst im Reisen von hier aus kennen gelernt
haben. Die Methoden der künstlerischen Auseinandersetzung sind breit
gefächert:Gudrun Petersdorff und Karin Wieckhorst bereisen seit der Öffnung der
Mauer jährlich viele Länder der Erde. *Gudrun Petersdorff* bringt bei
ihren Reisen Impressionen in Skizzenbüchern und Zeichnungen auf das
Papier, die später unter anderem Vorlage für ihre Malereien bilden.
Mitunter zeigen die Skizzen, gleich, wo sie entstanden sind, Menschen,
Landschaften und Objekte, die ebenso gut in Leipzig sein könnten. *Karin
Wieckhorst* wählt in ihren fotografischen Projekten jeweils einen
spezifischen Aspekt. Beispielsweise stellt sie sich, inspiriert durch
einen Text von Uwe Johnson, in "yellowish" die Aufgabe, in New York City
ausschließlich Gelbes zu fokussieren. Oder sie begibt sich auf eine
vierwöchige Tunesienreise und dokumentiert auf einem Blatt jeden Tag mit
Text, Bild und gefundenen Objekten. Beide KünstlerInnen haben über viele
Jahre hinweg ganz persönliche Reisetagebücher erstellt, die sie in der
Ausstellung zum ersten Mal in dieser Form zeigen.
*Katharina Immekus* bereiste, gefördert durch ein Stipendium, Brasilien.
Hier zeichnet sie das, was sie unmittelbar vor Ort umgibt, um
anschließend ihre Zeichnungen in einem kleinen Heft zu bündeln. Ebenso
wie die Zeichnungen Petersdorffs finden sich hier Skizzen, die nicht
unbedingt zwingend den spezifischen Ort kenntlich machen. Dieses
Wechselspiel von Nähe und Ferne, von Spezifischem und Unspezifischem,
findet man auch in weiteren Arbeiten der Ausstellung. Diese drei
Positionen nähern sich dem Fremden sammelnd und über die Beobachtung von
Details an. Sie stellen sich mitunter Aufgaben, suchen eine Form, kommen
nach Hause und arbeiten mit dem Archiv oft lange weiter.
Ähnlich verfährt *Arthur Zalewski*. Er erarbeitet für die Ausstellung
eine neue Zusammenstellung seiner über Jahre aufgenommenen Bilder, die
bei Stipendien und Reisen ins Ausland entstanden sind. Mitunter handelt
es sich um Aufnahmen, die seinen familiären polnischen Wurzeln
nachgehen. Zalewski nimmt mit seiner Auswahl Bezug zum Thema der
Ausstellung, beschreibt jedoch gleichzeitig die Sichtbetonwände der GfZK
mit fotografischen Statements, die als eine Reise in der
Auseinandersetzung mit der Kunst selbst gelesen werden kann.
Der vietnamesische Künstler *Thanh Long* befasst sich fotografisch mit
der Wohnsituation von nach Deutschland eingereisten AusländerInnen oder
er begibt sich auf eine Pilgerreise durch Europa, um im Anschluss die
Spuren der körperlichen Mühsal in Form von getragenen Kleidungsstücken
zu zeigen. Es ist ein Versuch, sich einer für ihn neuen und fremden
Kultur anzunähern. Um das Fremde und Eigene geht es auch bei *Rozbeh
Asmani*. Asmani fährt in einem Taxi durch Leipzig und Teheran und lässt
hierbei die FahrerInnen zu Wort kommen. Die Fahrt und das Gespräch mit
den TaxifahrerInnen ist oft der erste Einstieg in eine neue Umgebung.
Wir erfahren etwas über die Realität beider Städte und Personen. Wer
Taxi fährt, hat mitunter oft einen Weg bzw. eine Reise hinter sich ob
als Gast oder als Fahrende/r.
Um das Sich-Auf-den-Weg-Machen und um eine Lebensreise, zumindest um
einen Abschnitt einer solchen, geht es auch bei *Alba D'Urbano*. Sie
nimmt die Ausstellungseinladung zum Anlass, sich reisend in die
Vergangenheit zu begeben, um ihrem Weg von Italien nach Deutschland
nachzugehen. Vor mehr als zwei Jahrzehnten kam D'Urbano als Studentin
nach Berlin und musste als Reinigungskraft ihren Lebensunterhalt
sichern. Von hier aus bildete sich der Lebensweg der italienischen
Künstlerin in einer ihr fremden Kultur neu. Um eine Form der Ökonomie
geht es auch in der Arbeit von *Frank Berger*. Berger beobachtete über
einen längeren Zeitraum hinweg einen schwarz gekleideten Pantomimen auf
einer der Haupttouristenstraßen Barcelonas. Während um den Beobachteten
herum sich die Szenen ständig neu mischen, verharrt der Gezeigte in
einer dem Umraum entgegen wirkenden Starre. Während bei Asmani und
D'Urbano das Biografische Anlass zur Reise ist, reist Berger gezielt an
ausgewählte Orte, die für ihr Treiben berühmt sind, um dort Menschen in
den Fokus zu nehmen, die sich vom Treiben ernähren, indem sie
unterhalten, das Treiben sortieren oder als lebendes Werbeschild arbeiten.
Margret Hoppe und Katia Klose erweitern den Blick auf das Unterwegssein,
ähnlich wie Frank Berger, durch Projektvorhaben an einem spezifischen
Ort. Gefördert durch ein Stipendium besuchte *Katia Klose* für drei
Monate ein IndianerInnenreservat in Kanada. Sie lebte dort und
portraitierte Menschen sowie deren Lebensraum in Bild und Wort. Sie ging
explizit auf die Suche nach neuen Bildern einer Kultur, deren Verarmung
häufig im Vordergrund steht. Die Portraitierten erhalten Zeit und Raum,
um ihren Lebensalltag zu zeigen bzw. ihn uns vorzustellen. In einem
weiteren Projekt befasst sich Klose mit einem traurigen Kapitel in der
Geschichte der Aborigines in Australien. *Margret Hoppe* bereiste in
Bulgarien Reste von Denkmälern und Skulpturen, die in der Zeit der
Volksrepublik entstanden waren, und dokumentiert deren heutigen Zustand.
Sie zeigt ehemals stark frequentierte Baudenkmäler und verlassene Orte,
die ihre frühere Aufgabe erledigt haben und den Sprung in eine neue Zeit
nicht überleben konnten. So bleiben von einer Reise häufig Dinge und
Eindrücke übrig, an denen sich Geschichten aufreihen. Die Ausstellung
zeigt einen Ausschnitt des vielfältigen Zugriffs auf ein
unerschöpfliches Thema.
Derzeit leben und arbeiten alle KünstlerInnen der Ausstellung in Leipzig.Die Ausstellung wird von dem Projekt filmplus der Filmkuratorin Carolin
Ziemann begleitet. In verschiedenen Diskussionen, Film- und
Liederabenden, Filmspaziergängen, Schülerfilmvorführungen etc. geht sie
der Frage nach dem Fremden in Leipzig nach. Das aktuelle Programm
erfahren Sie unter: filmplusleipzig.wordpres.com.Im Rahmen des schulformübergreifenden Projekts "Comic meets L.E." werden
SchülerInnen einen Raum in der Ausstellung mit ihren Projektergebnissen
bespielen, die sich gezielt einzelne Positionen der Ausstellung
herausgesucht haben, um mit ihnen im Rahmen des Projekts zu arbeiten.Parallel zur Ausstellung können Sie in der GfZK-1 die Ausstellung
"Backstage" besuchen. "Backstage" ist eine Ausstellung über das
Ausstellen. Im Vorfeld der Ausstellungen in der GfZK-2 eröffnet, können
BesucherInnen die Genese des Projektes nachvollziehen. Beginnend mit der
Idee, dem kuratorischen Konzept, der Finanzierung, der Auswahl der
KünstlerInnen, der Vermittlung, dem Display und der
Ausstellungsorganisation, verfolgen die BesucherInnen hier den langen
und oft sehr verzweigten Wegen bis hin zur Realisierung eines Projekts.Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung Sachsen und der Sachsen Bank
gefördert. Die Sachsen Bank unterstützt seit vielen Jahren diverse
Projekte und Ausstellungen der GfZK. Als Regionalbank will sie nicht nur
die heimische Wirtschaft unterstützen, sondern auch ganz bewusst einen
Beitrag zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben in
Mitteldeutschland leisten.
10. 09. - 13.11. 2011
Das ist keine Sammlungsausstellung. Teil 3: Untergrund
Im Jahr 2011 werden mehrere Kunstwerke aus der Sammlung der GfZK Leipzig ausgewählt und jeweils für zwei Monate als Rechercheobjekte ausgestellt. Dazu stehen weitere Elemente zur Verfügung, u. a. kunsthistorische und theoretische Texte, Bücher... Mit den Kunstwerken werden sie als
"Recherchekorpus" eingesetzt. Ein eigens dafür entwickeltes
Ausstellungsdisplay bietet eine räumliche Struktur an, die es erlaubt,
sich in einzelne Aspekte auf verschiedenen Ebenen zu vertiefen. Darüber
hinaus treffen sich Lese- und Diskussionsgruppen als eine Form des
Selbstausbildungsprozesses, die allen BesucherInnen offen stehen. Die
Texte und Materialien zum Lesen und Diskutieren werden von der GfZK wie
auch von den TeilnehmerInnen empfohlen. So wird die Hierarchie des
Ausbildungsprozesses gebrochen, um den Austausch in den Gruppen zu
unterstützen.
[Teil Drei] >Untergrund< fokussiert auf die Wahrnehmung von
"alternativer" Kunst in der DDR und Jugoslawien. Welche Bedeutungen
hatten die Begriffe "Untergrund" und "Dissidenz" in diesen beiden
Ländern mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen?
Der Lesekreis trifft sich am: 13. September, 19. Oktober und 20.
Oktober, jeweils um 18 UhrKuratiert von Radmila Joksimovic´, Stipendiatin der Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen
Ausstellungsarchitektur: Tom Unverzagt