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Frankfurter KunstvereinMarkt 44
60311 Frankfurt am Main
Tel. 069 - 28 53 30; Fax 069 - 219 314 11
Di - Fr 12-20 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr
Führungen jeweils mittwochs um 18 Uhr und sonntags um 17 Uhr
post@fkv.de
http://www.fkv.de
aktuelle Ausstellung / current exhibition
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
27.05. - 06.08.2000
Isa GenzkenUrlaub
Mit freundlicher Unterstützung der DG BANK Kulturförderung
Emilio Prini
Standard - catasta ultralogica - gültig bis 7. August 2000
im Kino der Dekonstruktion
Hilary LloydColin#2
Die nächsten Ausstellungen des Frankfurter Kunstvereins stellen zwei wegweisende künstlerische Postitionen einander gegenüber: die deutsche Bildhauerin Isa Genzken und Emilio Prini, einen der Mitbegründer der italienischen Arte Povera. Damit stehen zwei auf die künstlerische Praxis der jetzigen Generation einflussreiche Künstler im Dialog, die den Begriff des Skulpturalen auf entscheidende Weise erweitert haben. Isa Genzken wird neue bzw. bislang noch nicht gezeigte Arbeiten präsentieren; Emilio Prini wird nach seiner Teilnahme an der documenta x erstmals wieder in Deutsch!and ausstellen.
Als letzte Position innerhalb des fortlaufenden Projektes "Kino der Dekonstruktion" wird außerdem die Videoskulptur "Colin #2" von Hilary Lloyd zu sehen sein.
Isa Genzken: Urlaub
Isa Genzken (*1948) stellt unter dem Titel "Urlaub" neue sowie bisher noch nicht gezeigte Arbeiten vor, die sich unter dem Aspekt Ferien subsumieren lassen, ohne dadurch ihren vielschichtige Werkcharakter aufzugeben. Modelle für Strandhäuser, in den Innenraum transferierte Markisen, eine Fotoserie über eine luxuriöse Segelyacht oder ein Film, den Genzken 1992 über ihre Großeltern gedreht hat, zeigen verschiedene Aspekte des Topos "Urlaub" zwischen Sehnsucht nach Erholung, Aufenthalt an einem anderen Ort und kritischem Blick auf funktionalisierte Freizeiträume. Im Zentrum dieses beobachtenden Blicks auf Urlaubsszenarien steht die Beschäftigung mit Architektur bzw. umbautem Raum, die sich in den verschiedenen Medien auf ganz unterschiedliche Weise artikuliert.
Ein mit zahlreichen Fotografien beklebter Spielautomat wird zur collagierten Skulptur; Markisen, die im Innenraum montiert sind, verbinden das Ready-made mit dem für Isa Genzkens Werk charakteristischen Motiv des Fensters, des Ein- und Ausblicks. Eine Fotoserie über die Reise auf der Segelyacht eines bekannten Verlegers setzt die skulpturalen Aspekte des Schiffes ins Bild und verbindet eine konstruktivistische Ästhetik mit einem distanzierten Blick auf die hermetische Qualität der Luxusyacht.
Die Serie der Strandhäuser zum Umziehen oszilliert zwischen architektonischem Modell und skulpturaler Form. Fragmente von Fotografien, die auf die aus kontrastierenden Materialien zusammengesetzten Baukörper appliziert sind, setzen imaginäre Benutzer ins Bild. Ergänzt werden die Strandhäuser durch ein gemeinsam mit einem Architekten entwickeltes Modell für ein Hochhaus am Strand, das den Gegensatz von Transparenz und solidem Baukörper, kompakter Form und offener Struktur auf eigene Weise formuliert.
Zur Finissage der Ausstellung am 6. August erscheint ein Katalog.
Vom 17. Juni bis 27. August ist im Kunstverein Braunschweig eine weitere Ausstellung mit Isa Genzken zu sehen.
Die Ausstellung "Urlaub" von Isa Genzken im Frankfurter Kunstverein konnte dank der großzügigen Unterstützung der DG BANK Kulturfördenung realisiert werden.
Emilio Prini: Standard - catasta ultralogica - gültig bis 7. August 2000
Emilio Prini (*1943) wird speziell für die Räumlichkeiten des Frankfurter Kunstvereins neue Arbeiten entwickeln, aber auch Werke aus den späten sechziger Jahren einer Neukontextualisierung unterziehen. Prini gehörte neben Alighiero Boetti, Luciano Fabro, Jannis Kounellis, Giulio Paolini und Pino Pascali zu den Künstlern, die 1968 mit der Ausstellung "Arte Povera - Im Spazi" in der Galerie La Bertesca in Genua den Beginn der Arte Povera initiiert haben. Prini ist vielleicht der konsequenteste Vertreter von allen, der Kunst und Leben nicht als voneinander distinkte Bereiche aufgefasst, sondern immer wieder zu einer neuen Einheit geführt hat. Seine Arbeiten sind objekthafte Verdichtungen alltäglicher Aktionen, die sie in eine ebenso sinnliche wie komplexe Form überführen.
Mit minimalen Mitteln thematisieren sie die optische wie physische Wahrnehmung der Welt. Die oft skulpturalen Objekte präsentieren sich als abstrakte Spuren unmittelbarer Erfahrung, die sie auf komplexe Weise visualisieren. 1968 I'ho gettato dalla finestra etwa bildet die zufällige Sythese zweier Ereignisse: Ein hellgrau bemaltes Stück Blei, das aus einem Fenster geworfen wurde, findet zu einer chromatischen Verbundenheit mit einem grünen Tuch, das den Boden einer Vitrine bedeckt.
Auch die Präsentation seiner Arbeiten steht für Prini ganz im Zeichen von Authentizität und Aktualität. Für ihn gibt es nur Ausstellungen, keine Retrospektiven. Seine Arbeiten entstehen immer wieder neu, werden rekonstruiert und rekontextualisiert. Im Frankfurter Kunstverein stellt Prini Objekte aus den späten sechziger Jahren neben Werke, die er speziell für die räumliche Situation vor Ort konzipiert. Damit wird der Kontext innerhalb dessen Kunst entsteht, nicht zum historisierenden Rahmen, sondern zur internen Referenz, die sich immer wieder im Jetzt verortet.
Zur Ausstellung von Emilio Prini erscheint ein vom Künstler gestaltetes "Manifesto".
Hilary Lloyd: Colin #2
Hilary Lloyds Videoarbeiten weisen einen hohen Grad an Kontrolle und formaler Präzision auf. Sie funktionieren als Skulpturen, deren technische Komponenten im Zusammenspiel mit dem gezeigten Videobild stehen. Ausgangspunkt für den Inhalt einer Reihe von Videos, zu denen auch "Colin#2" gehört, ist die Faszination an einer bestimmten Person, die wie in einer Art Performance bei einer Handlung dargestellt ist. Häufig sind Hilary Lloyd diese Personen noch nicht bekannt, wenn sie sie irgendwo in London darauf anspricht, einen Film von sich machen zu lassen. Zwischen dieser intuitiven Arbeitsweise und ihrem stark technisierten, formal strengen Ergebnis entsteht eine Spannung, die alle Arbeiten Hilary Lloyds kennzeichnet.
In der strikten Art der Konstruktion, mittels der jede der Video-Performances in Szene gesetzt erscheint, visualisiert Hilary Lloyd etwas von ihrem Verhältnis zu den Darstellern: Das den Arbeiten eigene Verhältnis zwischen Skulptur und Performance schildert das Verhältnis zwischen Voyeur und Performer. Die unausweichliche Bedingtheit zwischen Sehen und seinem Gegenstand und die daraus resultierende Unmöglichkeit, etwas zu sehen, ohne es gleichzeitig zu synthetisieren, bilden ein Thema von Hilary Lloyds Produktion.
Eröffnung: Freitag, 26. Mai 2000, 20 Uhr
Begrüßung: Luminia Sabau, DG Bank Frankfurt
Einführung Nicolaus Schafhausen, Direktor Frankfurter Kunstverein
Öffentliche Führungen immer mittwochs um 17 Uhr und sonntags um 18 Uhr (im Juli und August nur sonntags)
Sonderprogramm
Sonntag, 28. Mai 2000
17 Uhr Sonderführung durch die Ausstellungen mit Isa Genzken und Vanessa Joan Müller
Sonntag, 11. Juni 2000
18 Uhr Filmvorfuhrung "Chicago Drive" von Isa Genzken (Video, 1992) und "Die Ferien des Herrn Hulot" von Jacques Tati (1957)
Samstag, 17. Juni 2000
11 Uhr Besuch der Ausstellung Isa Genzken im Kunstverein Braunschweig mit Nicolaus Schafhausen
Sonntag, 2. Juli 2000
18 Uhr Vortrag Soren Grammel zu Hilary Lloyd
Sonntag, 9. Juli 2000
18 Uhr Vortrag Daniel Buchholz zu Isa Genzken
Mittwoch, 12. Juli 2000
17. 30 Uhr Sonderführung durch die fotografische Sammlung der DG BANK Frankfurt
Sonntag, 23. Juli 2000
15 Uhr Informationsnachmittag zum Thema "Arte Povera"
Sonntag, 6. August 2000
18 Uhr Finissage und Präsentation der Publikation zu Isa Genzken
Ab dem 26. Mai 2000 wird die thematische Buchhandlung pro qm aus Berlin mit einer Dependence im Foyer des Frankfurter Kunstvereins vertreten sein. Außerdem zeigen wir ab Ende Mai im Foyer ein wöchentlich wechselndes Videoprogramm.