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European Kunsthalle
Richartzstraße 2-4
50667 Köln
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vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition
31.10. - 13.12 2009Friedl Kubelka, Gerard Byrne, Ricardo Basbaum
Eröffnung Freitag, 30 October, 68 pm
Workshop mit Ricardo Basbaum bei Ludlow 38 am 31 Oktober 2009, 14-17h
Die zweite Ausstellung, die von der European Kunsthalle kuratiert wird, stellt eine Gruppe von Arbeiten vor, die sich mit dem Porträt nicht nur als Momentaufnahme, sondern auch als affektive Beziehung, wie sie jedem Abbildungsprozess inne wohnt, beschäftigen: einem Setting aus von ästhetischen, diskursiven und sozialen Interaktionen. Friedl Kubelka verstärkt in ihren Filmen mit kleinen Gesten die Spannung, die zwischen ihr als Filmemacherin hinter der Kamera und dem Subjekt, das gefilmt wird, besteht. Ricardo Basbaum zeichnet ebenfalls sichtbare und unsichtbare Beziehungen nach, in dem er "You" und "Me" als dynamische Strukturen einer "kollektiven Heterogenesis" in Form von Diagrammen darstellt. Gerard Byrnes fotografische
Arbeit hingegen portraitiert einen spezifischen Augenblick in der sich ständig verändernden Aufmachung eines Zeitschriftenstands. Die Fotografien stellen eine Verbindung zwischen Repräsentation und Zeit und uns, den Betrachtern, her.Friedl Kubelkas (= vom Gröller, lebt in Wien, 1946 in London geboren) ist vor allem durch ihre Serienfotografien (die Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesporträts) und als Gründerin der Schule für künstlerische Fotografie und unabhängigen Film in
Wien bekannt. Bereits Ende der 1960er Jahre begann sie, Porträt-Filme zu drehen. Die einzige Anweisung an ihre Modelle
lautete, für die Dauer einer Rolle Film, in die Kamera zu schauen. Die Schwarz-weißen Stummfilme, die in der Kamera
geschnitten sind, vermitteln eine Intensität und Intimität, die sich aus dem Aufnahmeprozess und der Spannung, die Kubelka
zwischen sich als Filmemacherin und den Porträtierten aufbaut, ergibt. "Ich will etwas sehen, was ich noch nicht in dieser
Form gesehen habe..." Das Interesse an der Psyche des Menschen erforscht Kubelka in gleichem Maße mit Humor und
Scham. Aber auch das Altern nimmt in ihren aktuellen Filmen einen selten sichtbaren Raum ein.
Zeitungen und Zeitschriften sind ein wiederkehrendes Motiv und Quellmaterial in den Arbeiten des irischen KünstlersGerard
Byrne (Dublin, born 1969): "Sie bestätigen Sehnsüchte und Individualität, alles was angeboten wird innerhalb des Pluralismus
eines kapitalistischen Zeitungskiosks." Ludlow 38 zeigt eine Schwarz-Weiß-Fotografie aus Byrnes aktueller Serie, die sich dem
Zeitschriftenstand selbst widmet, einem Thema, das historisch an Arbeiten von Fotografen wie Walker Evans und John
Vacheron anknüpft. Byrne benutzt hier den Zeitschriftenstand als zeitlichen Index: ein Augenblick festgehalten in Überschriften
und Titelblättern. Als unabschließbare Reflektion über die Rolle von Repräsentation für die Erfahrung von Zeit spielt die Arbeit
darauf an, wie unser Verständnis von Gegenwart von der Medienindustrie beeinflusst ist. Der Titel verändert sich stetig: One
year, nine months, three week and one day ago beschreibt die Zeitspanne zwischen dem Moment der Ablichtung und dem Tag
der Ausstellung. Da es nur einen Abzug vom Negativ gibt, schreibt sich die zeitliche Beziehung zwischen dem Bild und dem
Datum, dass es notiert, auch physisch in die Fotografie ein.
Ricardo Basbaum (Sao Paulo, 1961 geboren) arbeitet als Künstler, Kurator und Schriftsteller. In seinen theoretisch-philosophischen
widmet er sich dem Konzept der "organic line", wie es von der brasilianischen Künstlerin Lygia Clarke
entwickelt wurde. Basbaums Arbeiten, die die Form von Installationen, räumlichen Interventionen, Zeichnungen und
Konversationsstücken, die sich oft über Jahre und Kontinente erstrecken, annehmen können, korrespondieren mit Clarkes
Interesse an der "Kontinuität zwischen Kunstwerk und realer Welt". Das Wanddiagramm in Ludlow 38 ist Teil einer
fortlaufenden Me-You Serie. Vor monochromem Hintergrund beschreibt eine relationale Karte aus Linien und Wörtern
vielfältige Begegnungen und Zeitzonen mit Feedbackschlaufen. "Ein Diagramm ist als Oberfläche konzipiert, die Denkprozesse
in Gang setzt, Erzählungen, Geschichten, Anekdoten. Wenn Du Dich in diesem Sinne von den Linien und Worten gefangen
nehmen lässt, versetzt es Dich woanders hin und wenn Du zurückkommst, wirst Du nicht mehr derselbe sein. Das ist das
Versprechen transformativer Prozesse."
Ricardo Basbaum: MeYou: Choreographies, Games and Exercises
Workshop am 31. Oktober von 14 bis 17 Uhr.
Bei MeYou: Choreographies, Games and Exercises handelt es sich um ein gruppendynamisches Experiment, bei dem zwei
Sorten von T-Shirts an die Teilnehmer verteilt werden: rote mit dem Wort "ME" und gelbe mit dem Wort "YOU". Die beiden
Gruppen performen, in Korrespondenz zu den beteiligten Personen und der Architektur, eine Reihe von Anweisungen, die aus
den Diagrammen und/oder Vorschlägen, die spontan vor Ort gemacht werden, resultieren. Das Experiment kann entweder als
"gruppenspezifisch" oder "personenspezifisch" gelesen werden, in dem Sinne, dass die Ergebnisse von der Gruppe der
Teilnehmer, die an dem Prozess beteiligt sind, abhängen. Darüberhinaus werden die Videoarbeiten Me-You (Shanghai
Biennale) (11'39, 2008) und euvocê (ipatinga) (11'12, 2009) gezeigt.
Kuratiert von Rike Frank.
Ludlow 38 wird unterstützt von MINI and Friends of Goethe
European Kunsthalle wird unterstützt von der Stadt Köln
2. Dezember 2009, 19 Uhr
"Wo ist eigentlich die Kunsthalle geblieben?",
öffentliche Diskussionsveranstaltung
»Erfrischungsraum« des Schauspielhauses, Köln
(separater Eingang Brüder Straße, links des Haupteingangs)Mit freundlichen Grüßen
EUROPEAN KUNSTHALLE
Liebe Unterzeichner und Freunde des Kölner Komment,
seit dem Niedergang der Kölner Kunsthalle im Jahre 2003 sind die
Diskussionen um die wichtige Kunstinstitution nicht verflogen. Viele
Debatten und Initiativen wie das Loch e.V. und der daraus entstandenen
European Kunsthalle gab es in der Überlegung um die Zukunft der
Institution. Jedoch scheint das momentane Interesse in Zeiten der
Finanzkrise und Haushaltskürzungen abgeebbt zu sein.Die Frage "Wo ist eigentlich die Kunsthalle geblieben?" soll weniger
Aufforderung, als vielmehr Mahnung in Zeiten knapper Kassen sein. Wir
möchten thematisieren, wie schnell etwas abzureißen und, wie mühsam, es
wieder aufzubauen ist.Die Kölner Kulturinitiative Kölner Komment möchte Sie am 2. Dezember
2009 um 19 Uhr im »Erfrischungsraum« des Schauspielhauses (separater
Eingang Brüder Straße, links des Haupteingangs) herzlich einladen, an
der öffentlichen Diskussion teilzunehmen.Nach einer kurzen Einführung von Harald Uhr zur Entwicklung der
Kunsthalle werden er und Catrin Lorch die Veranstaltung moderieren.
Dabei wird es kein Podium oder eine Bühnendebatte geben. Stattdessen
soll eine anregende Diskussion zwischen Verantwortlichen,
Initiatoren, Betroffenen und den Kölner Bürgern stattfinden, um
daraus neue Impulse und Ideen zu
gewinnen.Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie teilnehmen könnten.
Bitte geben Sie uns eine kurze Rückmeldung, ob Sie kommen möchten.
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.