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Galerie Dorn

Planckstraße 123
70184 Stuttgart
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oder (außerhalb der Geschäftszeiten):
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sonst jederzeit nach Vereinbarung
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11.6. - 31.7.1999

200. Ausstellung der Galerie Dorn


Emil Schumacher

Ölbilder, Gouachen, Collagen, Zeichnungen, Radierungen

Emil Schumacher:

"Das Wasser läuft mir im Mund zusammen, wenn ich daran denke, wie herrlich eine Farbe sein kann."

Die Galerie Dorn zeigt in ihrer 200. Ausstellung erstmals Arbeiten von Emil Schumacher in einer Einzelausstellung.

Emil Schumacher, geb. 1912 in Hagen in Westfalen, einer für viele unbekannten Stadt im Ruhrgebiet. Diese hatte einen außergewöhnlichen Mitbürger: Karl Ernst Osthaus. Ein Bankierssohn, der sich mit Willen und Leidenschaft der Verantwortung und der Fürsorgepflicht für seine Mitbürger verschrieben hatte. Er gründete dort u.a. 1902 ein Kunstmuseum (das heute noch seinen Namen trägt) und machte Ausstellungen, hielt Vorträge u. rief bekannte Künstler, z.B. Christian Rohlfs u. Architekten, z.B. van der Velde nach Hagen. Rohlfs hat dort gelehrt und bis zu seinem Tod gelebt. Der früh künstlerisch begabte junge Schumacher sah Rohlfs oft an der Staffelei durchs Fenster, lernte ihn auch persönlich kennen und wurde in seinem künstlerischen Ansatz durch den vorgegebenen Maßstab bestärkt. Von seinen Eltern angeraten (sein Vater war Schlosser) studierte Schumacher an der Kunstgewerbeschule in Dortmund (1932-35) Werbegraphik. Ein wenig Expressionismus sah er noch, auch Nolde und Klee. Gern fertigte er Holz u. Linolschnitte und Zeichnungen an, die auch Eindrücke seiner Fahrradausflüge ins nahe Ausland wiedergaben. Schon 1935, mit 23, ist er freier Maler.

1940 heiratet Emil Schumacher Frau Ursula Klapprot und mit der Geburt seines Sohnes Ulrich gibt es ein Jahr später Nachwuchs.

Schumacher lehnte es ab, dem nationalsozialistischen Studentenbund beizutreten. Und vom Kriegsdienst blieb er wegen eines schweren Ohrenleidens verschont, mußte aber dienstverpflichtet als technischer Zeichner von 1939-45 arbeiten.

Die Kunst nach 45 war geprägt von der Suche nach neuen Inhalten und Zielen. In der Gruppe ist man auch in der Kunst zuweilen stärker und so war 1947 Schumacher an der Gründung "Junger Westen" in Recklinghausen beteiligt und wurde Mitglied in der Gruppe ZEN 49, in München. Er besuchte Paris 1952, das noch immer als die Kunstmetropole galt. Dort verinnerlichte er die neuen Kunstströmungen. Die Deutschen Hartung und Wols waren dort schon stilprägend u. erfolgreich tätig. Schumacher richtete sein malerisches Konzept neu aus. Seine Abstraktion bildete sich in der Malerei der frühen 50iger Jahre heraus. Das Informel, stilweisender Begriff der neuen malerischen Freiheit, ist die Identifikation großartiger Künstler bis heute. Malerisch ist das Informel Ausdruck des aus dem Unterbewußtsein, formelhaft Fixierten, gestisch und ausdrucksstark. In den frühen 60iger Jahren findet Schumacher mit großer Entschiedenheit und Eindeutigkeit zum Informel und gilt seitdem international als einer der wichtigsten Repräsentanten dieser Stilrichtung.

1966-77 lehrte Emil Schumacher an der Staatl.Akademie in Karlsruhe. Doch als die Pop-Art-Walze auch über die Kunstlandschaft in Deutschland hinweg rollt, stecken viele Künstler plötzlich in ihrer zweiten Sinnkrise nach 45. Und obwohl ihm bis dahin schon größte Anerkennungen zuteil geworden sind, fühlt Schumacher sich im Abseits.

Doch seine Standfestigkeit u. sein Charakter lassen ihn diese Krise bewältigen. Als er kurz entschlossen für wenige Monate in die Staaten geht (es ist kein sehr befriedigender Aufenthalt), macht er zumindest eine tolle materiale Entdeckung: das Packpapier.

Überhaupt Papier ist für Schumacher eine ganz besondere Liebe geblieben. Dieses so herrlich manipulierbare Material, was er knüddelt, zerrt, knickt, reißt bevor es bemalt wird, kommt seiner Arbeitsmethode und seinem Temperament sehr entgegen.

Ähnliche Vorgehensweisen sind auch in seiner starken Druckgraphik wiederzufinden. Da wird gekratzt, gekerbt, geschnitten. Durch die Anregung des Galeristen Rothe in Heidelberg (die Radierung war bis Ende 1958 eine von ihm nicht praktizierte Technik) kam er dazu. Gott sei Dank, denn hier entwickelte sich ein Werkkomplex der Druckgraphik, der erfindungsreich und eigenständig ist. Da entstehen so wunderbare, einfache, leichte, prächtige Dinge, von untrügenschem, sinnlichem Materialreiz geleitet, die einen wichtigen Platz in seinem Werk einnehmen.

Erstaunlich mutet es an, daß aus der gewonnenen Abstraktion sich in den letzten Jahren dann einfache, wiederkehrende Motive wie Rad, Karren, Ochse festmachen lassen. Aber trotz der Konzentrierung auf das Abstrakte hat Schumacher das Gegenständliche nie ganz aufgegeben.

Schumachers Bildsprache ist bis heute vielschichtig und experimentell geblieben. Er arbeitet in Schüben. Seine Kunst zeugt von großer künstlerischer Erfahrung und von der notwendigen Konzentration, die seine Bilder bis ins Detail kraftvoll und lebendig vibrieren lassen. Dabei ist seine Farbpalette meist auf das Weiß und das Schwarz, das Rot, Blau und Gelb sowie die Erdfarben ausgerichtet. Die Substanzerhaltung der Farbe, den Charakter der Farbe im Bild zu fixieren, ist ein wesentlicher Teil seiner Bildgestaltung; eine Bildwelt, die neben zerfurchten, ausgemergelten, trockenen Gestaltungsflächen, große, saftige, dynamische u. gestische Zeichen mit einbezieht (nicht selten auch mit "Fundstücken" angereichert). Seine Malerei ist technisch raffiniert, subtil und haptisch.

Aber die Aktionen fordern ihn auch körperlich bis zum Letzten. Schumacher attackiert noch immer aggressiv die Leinwände, will sie mit Aktionen besetzen. Er braucht aber auch die nachdenkliche Sensibilität die Behutsamkeit beim Malen um den Willen des Bildes aufzunehmen. Das verbraucht ungeheuerlich viel Energie, viel Kraft, die teils großformatigen Bilder müssen konditionell durchgehalten werden. Umso mehr Respekt bekommt man vor diesem im hohen Alter immer noch immens produktiven, von außergewönlicher Genialität beseelten Maler Emil Schumacher.

Emil Schumacher lebt und malt noch heute in seiner Heimatstadt Hagen.

 

 

Einzelausstellungen (stark reduzierte Auswahl)

1947 Galerie Studio, Wuppertal

1956 Galerie Parnass, Wuppertal

1958 Galerie van de Loo, München

Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen

1959 Galerie Müller, Stuttgart

Samuel M. Kootz Gallery, New York

1961 Kestner-Gesellschaft, Hannover

1962 Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg

1967 Galerie Rothe, Heidelberg

1971 Kunstverein Düsseldorf

1972 Badischer Kunstverein, Karisruhe

1981 Galerie Gunzenhauser, München

Galerie Dr. Krohn, Badenweiler

Galerie Hans Strelow, Düsseldorf

1990 Museum im Quadrat, Bottrop

1993 Galerie Nothelfer, Berlin

1997 Jeu de Paume, Paris

Hamburger Kunsthalle

Haus der Kunst, München

Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen

1992 Galerie Thomas, München

1998 Galerie Hans Strelow, Düsseldorf

1999 Kunstverein u. Spendhaus, Reutlingen

1999 Galerie Gertrud Dorn, Stuttgart

 

Teilnahme an Gruppenausstellungen (stark reduzierte Auswahl)

1950 Deutsche u. franz. Kunst. d. Gegenwart, Recklinghausen

1954 Deutsche Kunst nach 45, Stedelijk, Amsterdam

1955 Zen 49, Städt. Galerie im Lenbachhaus, München

1958 XXIX. Biennale, Venedig

Solomon Guggenheim Foundation, New York

1959 II. documenta Kassel

5. Biennale, Sao Paulo

Deutsche Kunst 1959, Kunsthalle Baden Baden

1962 XXXI. Biennale, Venedig

1963 VII. Biennale, Sao Paulo

1964 III. Documenta, Kassel

1965 Sammlung Sprengel, Hannover

1971 Graphik der Welt, Kunsthalle Nürnberg

1977 Vl. Documenta, Kassel

1981 Westkunst, Meseehalle Köln

1997 Deutschlandbilder, Martin-Gropius-Bau, Berlin

1998 Von Pollock bis Schumacher, Schloß Morsbroich

 

Seit 1980 hat die Galerie Dorn Emil Schumacher immer wieder in den Informel-Ausstellungen aus den eigenen Beständen präsentiert.

Seine Bilder sind in vielen bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten, z.B in den Staatlichen Museen Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Kiel, München, Stuttgart.

Eine Vielzahl von Ehrungen wurde Emil Schumacher bis heute zuteil. So können wir hier nur die erste von 1948, den Kunstpreis der Stadt Recklinghausen, das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstkreuzes der BRD, 1983, und den Jörg-Ratgeb-Preis der Stadt Reutlingen, 1987, erwähnen.

Ausstellungseröffnung: Freitag, den 11. Juni 1999, 20 Uhr

Die Einführungsrede hält:

Bernd Storz, Geschäftsführer der Hans-Thoma-Gesellschaft - Kunstverein Reutlingen

Wir danken vor allem der Galerie Hans Strelow sowie der Galerie Neher für die freundliche Unterstützung dieser Ausstellung.

 

 

Weitere Veranstaltungen:


Samstag, 5. Juni 1999, 17 Uhr

Elmar Schenkel

"Der westfälische Bogenschütze"

2. Lesung der Galerie Dom

E. Schenkel geb.1953, Prof. f. Anglistik in Leipzig, Schriftsteller u. Übersetzer, Mitarbeiter der FAZ, FR u. DER ZEIT, Preisträger u.a. der J. Ponto-Stiftung u. des Hesse- Förderpreises, liest aus seinem neuesten Buch.

 

Samstag, 14. August 1999, 20 Uhr

Boris Lurie

Collagen u. Druckgrafiken von 1950 -1999

und Präsentation des Gedichtbandes

"Gedichtigtes und Geschriebigtes"

 

Boris Lurie geb.1924, lebt u. arbeitet als Künstler u. Poet in New York, ist wichtigster Vertreter der Bewegung NO!art, die eine formal radikale Vorwegnahme von Fluxus, Performance u. Happening war.

Eine Veranstaltung von Holzboog & Fabricius

Sa.14. - So. 22, August,18 - 20 Uhr oder jederzeit nach Vereinbarung

 

 

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