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Galerie DornPlanckstraße 123
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201. Ausstellung der Galerie Dorn
17.9. - 16.10.1999
Licht - Farbe - RaumÖlbilder, Skulpturen, Druckgrafien
Herbert Baumann, Bernd Berner, Thomas Emde, Karl Heinz Franke, Gotthard Graubner, Alfred Haberpointner, Günter Haese, Erich Hauser, Dieter Kränzlein, Horst Kuhnert, Heinz Liers, Heinz Mack, Matschinsky-Denninghoff, Karl Georg Pfahler, Heinz L. Pistol, Helga Spieker, Hermann Waibel u.a.
Eine Ausstellung mit gleichlautendem Titel gab es schon 1997 in der Galerie Dorn. Diese war so anregend u. vielfältig für alle Beteiligten, dass wir gerne dem Wunsch nachkommen dieses Konzept aufzugreifen und neu zu erarbeiten.
Seit Menschengedenken ist das Licht, die Farbe und der Raum Anlaß gewesen über die Welt nachzudenken. Abgeleitet aus dieser Nachdenklichkeit wurden wissenschaftliche und künstlerische Konzepte formuliert.
Das Licht, im physikalischen Sinn, ist eine Form der elektromagnetischen Strahlung. Bei sichtbarem Licht entstehen verschiedene Farben. Der Raum ist im allgemeinen Sprachgebrauch etwas, das durch eine Ausdehnung in den drei Dimensionen gekennzeichnet ist. In der Astronomie versteht man Raum, Weltraum als das Gebiet jenseits der Erdatmosphäre bzw. außerhalb des Sonnensystems. Der emotionale Raum ist jenes Wirkungsfeld, das körperlich emotional spürbar wird, wenn ein starker Charakter Ursprung der Strahlung ist.
Der Mensch braucht Lebensräume und Abgrenzungen. Die daraus entwickelten Strukturen sind urbane Orte heutiger Großstädte. Raum war immer auch Anlaß, dem Göttlichen zu huidigen. Die Formeln für die relativ nachvollziehbare Raumerfahrung wurden in der Mathematik und der Geometrie erarbeitet. Die Architektur nutzte die Fakten für bauliche Vorhaben und erfüllte zugleich den Anspruch der Auftraggeber auf Huidigung weltlicher u. geistiger Macht auf Erden. Auffällig geworden sind die Pyramiden, der Babylonische Turm, die gotischen Kathedralen oder die Wolkenkratzer.
In der Malerei hatte die Farbe lange Zeit eine Referenzfunktion, nämlich Licht u. Raum atmosphärisch realistisch zu erfassen. Dies ist ein malerisch diffiziles Problem und konnte nicht mit den Mitteln gelöst werden, die noch der Perspektive zum Erfolg verhalfen. Adolf Menzel schaffte dies 1845 mit dem Bild Das Balkonzimmer . Mit den Impressionisten und Pointillisten (spätes 19. Jahrh.) begann Farbe die Eigenständigkeit zu erlangen, die später bei Mondrian zur Abstraktion führte (um 1920). Nach 1945 entwickelte Yves Klein die Farbmonochrome Malerei (ca. 1960). Es war die Zeit des Aufbruchs und der Bruch mit dem konventionellen Denken und die innovativen Impulse jener Jahre gebaren diverse neue Kunststile. Die Geometrische Malerei entwickelte K. G. Pfahler (*1926) konsequent weiter und setzte mit dem ihm eigenen Farbcharakter u. Stil Maßstäbe (auch im Neuen Reichstag Berlin). W. Gaul (*1928) erreichte mit seinen Farbverwischungen und Farbmarkierungen erstrangige Wirkung.
G. Graubner (*1930) entwickelte seine Farbraumkörper, Bilder bei denen die Addition der Farblasuren Tiefenraum erzeugen. Die Lichtkinetiker u. die Zero Künstler um Uecker, H. Mack (*1931) u. Piene brachten die Synthes aus Licht, Bewgung und Raum in die Kunst. H. Waibel (*1925) entwickelte die Raumlichtfarben, die mit farbigen Mischkunststoffen konkrete Farblichträume zaubern. B. Berner (*1930) hat mit dem Flächenraum eine Malerei der Lyrischen Abstraktion initiiert, mit Wechselwirkung von Strukturfeld und Randzone. H. Liers (1905-1985) spielt mit Farb- u. Formdurchdringungen. Er erzeugt dabei ein flutendes, räumliches Licht mit strukturiert einfachen geometrischen Mustern, das so herrlich leicht erscheint. Der Künstler T. Emde (*1959) kreiert hingegen Farbräume, dessen reine Pigmentvliese wundersame Farblichtreflexe erzeugen, die sich mit der Bewegung des Betrachters verändern.
Die Skulptur hatte sich zeitgleich ähnlich entwickelt. Bellini gelang es, einzigartig in der Barockfigur, die extremen Wechselwirkungen des Lichts, der Schatten, der Bewegungen und des Raumes darzustellen. Im 20. Jahrh. schaffte Brancusi (1876-1957) die Reduktion des Figürlichen. H. Baumann (*1927) knüpft hier an und schafft auf seine eindringliche Weise kühne Formen in Bronze und Stein. Die Entwicklung der abstrakten Formensprache ging über den Konstruktivismus bis hin zu den kinetischen Skulpturen z.B. des Amerikaners Calder (siehe Königstr., Stgt.), bis zum Zero, (s.o.). G. Haese (*1924) ist Einzelgänger aber dem Zero zu zuordnen. Er schafft mit seinen filigranen, lichten Raumgebilden Unglaubliches. Die Abstrakte Plastik in Stahl wird durch E. Hauser (*1930) grundlegend neu definiert. Seine Raumkörper ab 1962 mit dem formbildenden Element, dem Licht, sind später durch die Grundelemente der Dreiecksformen mit den scharfen Spitzen noch konstruktiver und raumexpansiver (siehe Kernerplatz, Stgt.). Matschinsky-Denninghoff erregen (ab 1955) mit ihren geschwungenen, räumlich konstruktiven Metallplastiken mächtiger Ausdehnung Aufsehen. H. Kuhnerts (*1939) Konkrete Skulpturen und Wandreliefs sind stark durch ihre kommunikativen Grundelemente in Raum, Form u. Farbe. K.H. Franke (*1916) hat u.a. mit seinen Acrylglas-Skulpturen das Volumen scheinbar verworfen und so eine Transparenz der Raumkonstellation erreicht. Die Relationale Kunst von H. Spieker (*1941) sind ihre souveränen, stillen Reliefs, die ihre Spannung aus dem geometrischen, farbigen Formenspiel erzielen. H.L. Pistols (*1940) landschaftsgeprägte Formensprache gewinnt dem Stein Leichtigkeit und Bewegung ab wider aller physikalischer Eigenschaften. Letzteres trifft ähnlich auf den Holzbildhauer A. Haberpointner (*1966) zu. Seine stilvollen, teils farbig gefaßten Skulpturen und Bildtafeln sind einfach grandios. D. Kränzlein (*1962) baut sein Spannungsfeld meist in der Verbindung von Holz und Muschelkalk auf und auch er nutzt die klare, einfach gegliederte Form, um im Ergebnis, wie bei allen ausgestellten Kunstwerken, Erstaunliches zu erreichen.
Eröffnung am 17.9.1999 um 20 Uhr
Die Einführungsrede hält: Prof. Günther Wirth
30.10. - 6.11.1999 Aktionswoche (im Preis reduzierte Bilder)