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Galerie Conrads

Kronprinzenstr. 9
40217 Düsseldorf
Tel. 0211 - 323 07 20 und 0172 - 847 90 22; Fax 0211 - 323 07 22
mail@galerieconrads.de
Di - Fr 11 - 18 Uhr, Sa 12 - 16 Uhr
www.galerieconrads.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition

Die Galerie ist vom 29.07.2008 bis 23.08.2008 geschlossen..

 

13.09. - 25.10. 2008

Jana Gunstheimer

Neue Arbeiten

 

 

Jana Gunstheimer, SBK # 4903< 2007, mixed media 150 x 210 cm ©Galerie Conrads, Duesseldorf-Berlin

 

Für ihre zweite Ausstellung in der Galerie Conrads in Duesseldorf plant Jana Gunstheimer eine Installation mit neuen Werken zum Themenkomplex der >Heiligsprechung<.

Sie erinnern sich vielleicht:

1976 errichtete die österreichische Bundesregierung eine Behörde zur Heiligsprechung. Aussergewöhnlichen Menschen sollte so, nach entsprechender Prüfung, die Möglichkeit geboten werden, in einen Kanon der Nationalhelden aufgenommen zu werden.
Eigentlicher Grund der Etablierung einer solchen Behörde war aber wohl die Aussicht auf hohe Einnahmen, welche die Bürger freiwillig zahlen würden. Denn für die aufwändige Prüfung jedes Antrages wurden Beträge von mindestens 120 000 Schilling berechnet.
Wie sich herausstellte war im ersten Jahr keine der Antrag stellenden Personen bedeutend genug für eine Kanonisation. Stattdessen stellte die Behörde fest, dass ein Grossteil der Antragsteller kriminelle Handlungen begangen hatte. Durch die Offenlegungspflicht hatten sie der Behörde Einsicht in alle Lebensbereiche gestattet.
Die Etablierung der Behörde stellte den Idealfall für eine Regierung dar: Die Bürger bezahlen freiwillig hohe Beträge in den Staatshaushalt und zeigen sich dabei selbst an.
Nach wütenden Protesten wurde der Betrieb der Behörde 1981 eingestellt. Bis zu dieser Zeit waren 8625 Anträge eingegangen, die bis heute in einer Lagerhalle in der Wiener Alserbachstrasse liegen.

 

 

Über Jana Gunstheimer und NOVA PORTA
Jana Gunstheimer hat vor etwa 5 Jahren NOVA PORTA gegründet, als Organisation zur Bewältigung von Risiken. Risiken, die den gesellschaftlichen Frieden gefährden. Risiken, die von >Personen ohne Aufgabe< ausgehen oder von Dynastien der Groß- und Schwerindustrie wie in >Stammsitz<, einer Werkgruppe angesiedelt in der Villa Hügel, dem ehemaligen Sitz der Familie Krupp. >Heiligsprechung< thematisiert das Unwesen durch Gesinnungsextremisten. Heiligsprechung ist bis heute gängige Praxis und wesentliche Einnahmequelle der katholischen Kirche. Jana Gunstheimers >Heiligsprechung< durch die >Staatlich Behörde zur Kanonisation< in Österreich im Jahr 1976 gegründet, persifliert dieses Verfahren. Tausende Bewerber getrieben von religiösem Fanatismus, Eitelkeit und einer Reihe weiterer dubioser Beweggründe nehmen freiwillig am teuren und tief in die Privatsphäre  eingreifenden Eignungsverfahren teil.  
 
Obwohl man relativ einfach Mitglied werden kann, lässt Jana Gunstheimer uns über die Organisationsstruktur von NOVA PORTA im Unklaren. Darin ähnelt NOVA PORTA Geheimbünden, deren Satzung, Zielsetzung und Mitglieder nur Eingeweihten bekannt sind. Darüber hinaus aber ist Nova Porta eine Fiktion, die der Künstlerin gestattet, in viele Rollen zu schlüpfen und künstlerisch unterschiedliche Ebenen zu bespielen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Zeitung >Maßnahme<, die von NOVA PORTA seit 2 Jahren herausgegeben und kostenlos verteilt wird. Darin berichtet, kommentiert und illustriert Jana Gunstheimer ihre Themenkomplexe aus unterschiedlichen Perspektiven und auf jeweils angepasstem sprachlichen Niveau. Vom kritischen Kommentar bis zum Leserbrief sind die Beiträge selbst verfasst. Die Zeitungsfotos, täuschend echt, sind Reproduktionen eigener Aquarelle. Zu ihrer Ausstellung im Art Institute of Chicago im Jahr 2007 erschien eine englischsprachige Sonderausgabe der >Maßnahme<, die dem Chicago Tribune beiliegen sollte. Im letzten Moment zogen die Verantwortlichen ihr Angebot zurück, weil es im Extrablatt wie in der Ausstellung >Status L Phenomenon< um den plötzlichen und unerklärlichen Verfall eines noblen Stadtteils in Chicago ging, dokumentiert durch Zeitungsreportagen. Dabei handelte es sich jedoch um aquarellierte Zeitungsseiten, die in ihrem Erscheinungsbild die New York Times, USAtoday oder die FAZ zitierten und über die geheimnisvollen Vorgänge berichteten. Alles aquarelliert und frei erfunden und trotzdem eine Vorwegnahme der bald darauf allseits einsetzenden Diskussion um die Immobilienkrise, die die Amerikaner bis heute zutiefst verunsichert.
 
Es ist die Komplexität der Darstellungsebenen, die Realismus vortäuscht und Anteilnahme erzeugt. So spielt die Differenzierung der sprachlichen Ebene für das aktuelle Projekt >Heiligsprechung< eine sinnstiftende Rolle. Neben der unterschiedlichen Eloquenz und Bildung, die aus den Briefen der Antragsteller spricht und so verdeutlicht, dass keineswegs nur dumme Menschen mitmachten, vermitteln wissenschaftliche Archivierungssysteme, knapp abgefasste Erläuterungstexte und wiederum Zeitungsberichte Authentizität. Gerne persifliert Jana Gunstheimer die in der DDR (aber keineswegs nur dort) im politischen und bürokratischen Alltag gepflegte Vorliebe für Kürzel wie PoA (Personen ohne Aufgabe) oder SBK (Staatliche Behörde für Kanonisation).
Rollen scheint Jana Gunstheimer mit spielerischer Leichtigkeit zu wechseln, auch ein gewisses Vergnügen an der Erfindung ist an vielen Stellen spürbar ebenso wie schwarzer Humor, der jedoch nie in Zynismus umschlägt, und nicht zuletzt das dadaistische Spiel mit dem Absurden.
 
Die Irritation, die sich im konzeptuellen Ansatz aus der Verschränkung von dokumentarischem und fiktivem Material ergibt, prägt auch die bildnerischen Werke. Aquarelle, die bei flüchtiger Betrachtung an alte Fotografien erinnern oder mit Schwarzweißabbildung der Tagespresse zu verwechseln sind, werden in der Ausstellung von Gunstheimer im Stil einer liebevoll aber antiquierten Präsentation eines Heimatmuseums inszeniert, mit ausführlichen Kommentaren und erläuterndem Beiwerk. Sie nimmt den Ausstellungsbesucher an die Hand, um ihn dann geradewegs in die Irre zu führen. Er verliert sich in einem Geflecht aus Fakten, Halbwahrheiten und Erfundenem. Objekte, Bilder und ganze Environments werden zu Requisiten eines Stück Welttheaters, das allen bekannt erscheint, auch wenn das Ende offen bleibt. Dieses Gemenge aus Anekdotischem, Ideologie, Aberglaube, Tradition und Irrationalität sind der Stoff, aus dem die Arbeiten zur aktuellen Ausstellung >Heiligsprechung - letzte Chance< gemacht sind. Eine gefährliche Mischung, die - wie die Wirklichkeit vielfach gezeigt hat, sehr explosiv sein kann. 
©Text: Galerie Conrads, Düsseldorf

 

Eröffnung: Samstag, den 13. September 2008 von 16 bis 20 Uhr

 

 

Aktuelle Ausstellungsbeteiligungen von Jana Gunstheimer:
Wuerttembergischer Kunstverein Stuttgart >Wild Signals< 13. September bis 9. November 2008
Kunstmuseum Bonn >Dorothea von Stetten-Kunstspreis 2008< 11. Dezember 2008 bis 15. Februar 2009

 

 

08.11. - 20.12. 2008

Lotta Hannerz

Second Nature

Lotta Hannerz, Picture plane, 2008, oil on canvas, 130 x 162 cm © Galerie Conrads, Duesseldorf

Wir freuen uns, die schwedische Künstlerin Lotta Hannerz (Jahrgang 1968) erstmals mit einer Einzelausstellung in Deutschland vorzustellen. Lotta Hannerz´figuratives Werk umfaßt Bilder, Objekte und Skulpturen. Gemeinsam ist ihren Werken ein ins Surreale tendierender subtiler Humor.

Artist´s statement:

INTRAORDINAIRY FACTS

Many ideas occur in the play between what we see and what we think we see. Even if it's just a split second of misinterpretation. What interests me is to try to register this gap, to measure the unpredictable. A kind of intraordinary ruler, human by default.

Lotta Hannerz

 

Eröffnung: Samstag 08. November 2008, 17 - 20 Uhr

 

Bitte merken Sie den Eröffnungstermin der Ausstellung EMILIO PEREZ in der FILIALE Berlin am Freitag, dem 10.10.2008 vor.

 

 

Künstlerliste / artists represented

Monika Brandmeier, Boris Becker, Jörg Eberhard, Georg Ettl, Pia Fries, Gunda Foerster, Katharina Grosse, Alexander Guy, Marcia Hafif, Jürgen Jansen, Olav Christopher Jenssen, Silke Leverkühne, Perry Roberts, Beat Streuli, Mitsue Togawa, Sandra Voets, herman de vries, Christina Zück

 

 

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