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Bielefelder Kunstverein
Museum Waldhof
Welle 61
33602 Bielefeld
Tel. 0521 - 17 88 06; Fax 0521 - 17 88 10
Do, Fr 15 - 19 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 12 - 19 Uhr,
bei Veranstaltungen bis 22 Uhr und jederzeit nach telefonischer Vereinbarung
kontakt@bielefelder-kunstverein.de
http://www.bielefelder-kunstverein.de
vorausgegangene Ausstellung / previous exhibition06.02. - 25.04. 2010
Im Moment des Verdachts
TEILNEHMERINNEN UND TEILNEHMER:
Michael Fullerton / Sven Johne / Johannes Maier / Falke Pisano / Clunie Reid / Hito Steyerl
Die Gruppenausstellung »Im Moment des Verdachts« versteht Verdacht als ein Mittel für Künstler und Betrachter, um künstlerische, mediale, politische und gesellschaftliche Zustände zu hinterfragen. Der Bielefelder Kunstverein präsentiert sechs internationale, zeitgenössische künstlerische Positionen, deren Werken eine besondere Art der Beobachtung, Analyse, Werkentwicklung und Fragen der Repräsentation zugrunde liegt.
Unter Verdacht stellen lässt sich heute vieles, wenn nicht alles: die Nachrichten und Funktionsweisen der Medien, ökonomische und politische Entwicklungen, Fragen der Nachhaltigkeit sowie die Bedingungen und Möglichkeiten internationaler Kooperation. Um jedoch eine Strategie des Verdachts für die Kunst zu formulieren, muss das Verständnis vom Verdacht erweitert werden. Der Begriff kann nicht mehr nur den Prozess der Beweisführung oder Methoden der Verifikation einer negativen Vermutung beschreiben. Verdacht bezeichnet vielmehr, im positiven Sinne, eine zielgerichtete Handlung, eine grundsätzlich kritische und skeptische Einstellung gegenüber dem Bestehenden und seinen Erscheinungsformen. Verdacht ist damit mehr als nur eine Vermutung oder Spekulation.
Die Ausstellung verfolgt die These, dass die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeit selbst unter Verdacht stellen, indem sie von einem Moment des Verdachts ausgehen oder versuchen ein solches Moment im Betrachter zu provozieren. Sie erforschen dabei jeder für sich auf unterschiedliche Art und Weise Zusammenhänge, die das Verhältnis zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen Künstler und Kunstwerk, und zwischen Kunstwerk und Betrachter betreffen. Sie fordern den Betrachter auf, die Grenzen von Wahrheit, Realität und Fiktion zu befragen sowie die Arbeiten als Angebote zu einem eigenen Verständnis von Welt zu verstehen. Ausgehend von dieser Herausforderung wird die Ausstellung zum Tatort, die Besucher zu Ermittlern, auf der Spur zu einer direkten Auseinandersetzung mit Kunst und deren aktueller Bedeutung.
Kuratoren: Wiebke Gronemeyer und Thomas Thiel
Die Ausstellung wird mit freundlicher Unterstützung vom Land Nordrhein-Westfalen, von der Mondriaan Stichting, dem Generalkonsulat der Niederlande( Düsseldorf), der Juristischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe und BRANDI Rechtsanwälte realisiert.
02.04. - 29.04. 2010
Marcellvs L.
Subjektive Projektionen
Eingeladen von Jochen Volz (Künstlerischer Direktor, INHOTIM, Belo Horizonte/ Brasilien)
»1716« (2008/2009)Seit 2002 arbeitet Marcellvs L. an einer fortlaufenden Reihe von Videos, die er als Video-Rhizomas bezeichnet. Inhaltlich stehen die einzelnen Werke in keinem direkten oder narrativen Zusammenhang. Vielmehr sind sie als diskontinuierliche Fragmente zu verstehen, die auf ganz eigene Weise kleine Geschehnisse wiedergeben und dabei mit großer Genauigkeit unsere Wahrnehmung von Zeit und die Dauer unserer Wahrnehmung untersuchen. Die einzelnen Videos der Reihe sind lediglich mit Nummern bezeichnet, die keinerlei Auskunft auf ihren Entstehungsort geben und auch keine Chronologie vorschlagen. Video-Rhizoma »1716« zeigt den spannenden Höhepunkt einer Sturmflut. Extreme Windböen schlagen Wellen gegen eine felsige Küste, Gischt füllt das Bild. Eine Figur erscheint im schwerfälligen Kampf gegen die Naturgewalt. Die Kraftanstrengung wird direkt auf die Kameraführung und Tonaufzeichnung übertragen. Demselben Sturm ausgesetzt droht die Kamera ständig abzukippen und das Mikrofon wirkt vollkommen überlastet. In sehr direkter Form scheint des Betrachters Versuch, dem Vorgang zu folgen, durch die existentielle Instabilität der Videoaufzeichnung gespiegelt.
Text: Jochen Volz
Website des Künstlers: http://www.caosmos.org